Selbstentzündliche Stoffe

Zusammenfassung

 

Begriff

Pyrophore (bisher: selbstentzündliche) Stoffe sind Stoffe, die sich ohne äußere Flammeneinwirkung bzw. Wärmezufuhr erhitzen und schließlich selbst entzünden. Die Gefahr der Selbstentzündung entsteht unter bestimmten Umgebungsbedingungen durch eine

  • physikalische (Anlagerung von Sauerstoff an der Oberfläche, z. B. von Metallpulver),
  • chemische (stoffliche Veränderung bzw. Bildung neuer Stoffe),
  • biologische (Einwirken von Bakterien oder Pilzen z. B. Gärung)

Reaktion mit Luft und/oder Wasser, die innerhalb von Sekunden erfolgen kann oder erst nach einigen Monaten.

Pyrophore Flüssigkeiten oder Feststoffe entzünden sich schon in kleinen Mengen innerhalb von 5 Minuten selbst. Als selbsterhitzungsfähig bezeichnet man Stoffe bzw. Gemische, die sich nur in großen Mengen und nach längerer Zeit (Stunden oder Tage) entzünden.

 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Es gelten folgende Regelungen:

1 Gefahren

1.1 Reaktion mit Luft bzw. Sauerstoff

Stoffe, die sich unter bestimmten Bedingungen unter Einwirkung von Luft selbst entzünden sind z. B.:

  • weißer Phosphor
  • Aerosole von Metallpulver z. B. Eisen, Aluminium
  • Magnesiumstäube bzw. -späne
  • Lithium
  • Kohle in Kohlehalden, Kohlelagern
  • Rückstände von flüssigen Beschichtungsstoffen z. B. Naturharze
  • fett- oder ölgetränkte Lappen oder Putzwolle
 

Achtung

Gefahren beim Umgang mit reinem Sauerstoff

Bei Anwesenheit von reinem Sauerstoff – besonders auch in flüssigem Zustand – entzünden sich viele Stoffe besonders leicht. Dies gilt v. a. für Kohlenwasserstoffe. Armaturen von Sauerstoffflaschen müssen deshalb frei von Ölen und Fetten sein, um Selbstentzündung zu verhindern.

1.2 Reaktion mit Wasser

Unter Einwirkung von Wasser (Luftfeuchtigkeit kann ausreichen) sind folgende Stoffe unter bestimmten Bedingungen selbstentzündlich:

  • Natrium bzw. Kalium (Lagerung unter Paraffinöl)
  • organische Stoffe wie Papier, Heu, Kompost, Abfälle auf Deponien
 

Wichtig

Brandgefahr in Lagern für Recyclingstoffe

In Zwischenlagern für Recyclingstoffe kommt es häufig zu Bränden. Ein Viertel der Brände wird laut Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) durch Selbstentzündung ausgelöst. Durch geeignete Form (Haldengeometrie) und Dauer der Lagerung kann Selbstentzündung vermieden werden.

2 Maßnahmen

Von besonderer Bedeutung sind Maßnahmen zum Brand- und Explosionsschutz, v. a.:

  • Zutritt von Luft bzw. Sauerstoff oder Wasser verhindern
  • Überwachung der Temperatur
  • gute Be- und Entlüftung bei Lagerung, damit ggf. entstehende Wärme abgeleitet werden kann
  • ggf. Kühlung
  • ölgetränkte Putzlappen nicht zusammen mit anderen Abfällen lagern oder entsorgen, Entsorgung in Metallgefäßen.

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