Wie gehen Unternehmen mit dem Thema Compliance um? Auf welche Maßnahmen setzen sie? Welches Budget steht ihnen zur Verfügung? Und wie wirksam sind die Maßnahmen? Eine Umfrage unter 337 Personal- und Compliance-Entscheidern wirft ein Schlaglicht auf den Status Quo in deutschen Unternehmen.

Angesichts der zunehmenden rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen wollten der Bundesverband der Personalmanager (BPM) und der Bundesverband der Compliance-Manager (BCM) wissen, wie erfolgreich sich Compliance-Maßnahmen in der Praxis überhaupt umsetzen lassen. Eine Blitzerhebung unter den Mitgliedsunternehmen der beiden Verbände ergab folgendes Bild.

Compliance-Maßnahmen: Nichts geht ohne Richtlinien

Die Mehrheit der Unternehmen (98 Prozent) verlässt sich bei der Umsetzung der rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen auf die Einführung interner Richtlinien, um ihre Compliance-relevanten Sachverhalte transparent zu machen. 80 Prozent sichern sich zusätzlich über das Vier-Augenprinzip ab und 66 Prozent nehmen juristische Prüfungen in Anspruch.

Des Weiteren kommen Webtrainings und Präsenzschulungen zum Einsatz. Mehr als die Hälfte der Unternehmen verfügt außerdem auch über eine Whistleblower-Hotline.

Wer für Compliance zuständig ist

In den meisten Unternehmen beschäftigen sich weniger als fünf Mitarbeiter mit dem Thema Compliance. Eine spezielle Compliance-Abteilung gibt es mehrheitlich nur in großen Unternehmen (in 60 Prozent der Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern, in 92 Prozent der Unternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitern). Gerade in kleineren Unternehmen ist hauptsächlich die Personalabteilung für Compliance-Themen zuständig. Mit zunehmender Größe der Unternehmen "wandert" die Verantwortung für Compliance in die Rechtsabteilung oder eben in eine eigene Compliance-Abteilung.

Compliance-Budget

47 Prozent der Befragten geben jährlich nicht mehr als 20.000 Euro für das Einhalten der vielfältigen rechtlichen Normen aus. Bei großen Unternehmen können die Ausgaben für Compliance aber durchaus über 100.000 Euro liegen: 69 Prozent der Unternehmen mit über 10.000 Mitarbeitern geben mehr als 100.000 Euro jährlich für Compliance aus.

Kein Controlling beim Thema Compliance

Überraschend ist, dass mit 46 Prozent fast die Hälfte der Befragten zugibt, die Wirksamkeit ihrer Maßnahmen nicht zu kennen beziehungsweise nicht zu messen. Die größten Hindernisse bei der Umsetzung von Compliance-Maßnahmen sind bürokratische Hürden und unklare Verantwortlichkeiten. Auch Widerstände unter den Führungskräften erschwert in einigen Unternehmen den Erfolg von Compliance-Maßnahmen.

"Die Ergebnisse bestätigen: Es ist ein schwieriger Spagat. Einerseits zwingen oft mangelnde Transparenz und klamme Budgets Unternehmen geradezu in rechtliche Grauzonen. Andererseits birgt der gezielte Umgang mit Compliance auch Chancen, und zwar in punkto verbesserter Prozesse und Sicherheit. Schließlich brauchen Mitarbeiter eine klare Orientierung, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten sollen", kommentiert Dr. Bernd Blessin, Präsidiumsmitglied des BPM und Chief Compliance Officer sowie Leiter Personalmanagement bei der VPV Versicherung, die Ergebnisse.           

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