KI treibt den Markt für digitales Lernen
Neben dem "9-Grid Learning Systems 2026" umfasst die Bestandsaufnahme der britischen Fosway Group das "9-Grid Digital Learning" sowie ein "AI Market Assessment" für Lernsysteme. Zusammengenommen zeichnen die Analysen ein konsistentes Bild.
Markt für Lernsysteme unter Druck: Effizienz rückt in den Fokus
Der Markt für Learning Systems wächst weiter, steht jedoch unter zunehmendem Effizienzdruck. Wirtschaftliche Unsicherheiten, begrenzte Budgets und längere Entscheidungszyklen führen dazu, dass Investitionen stärker geprüft werden. Unternehmen verlangen belastbare Nachweise für den geschäftlichen Nutzen von Lerntechnologie.
Diese Entwicklung betrifft den gesamten Markt für digitales Lernen. Laut Fosway ist dies bereits das dritte Jahr in Folge mit herausfordernden Rahmenbedingungen. Anbieter reagieren mit einem stärkeren Fokus auf Profitabilität, klar positionierten Innovationsstrategien und effizienteren Angeboten.
Lernsysteme und KI: zwischen Dynamik und begrenzter Nutzung
Künstliche Intelligenz bleibt das dominierende Thema – allerdings mit deutlicher Diskrepanz zwischen technischer Entwicklung und praktischer Nutzung. Zwar hat sich die Zahl verfügbarer KI-Funktionen im Bereich digitales Lernen erhöht, doch viele Anwendungen befinden sich weiterhin in frühen Phasen.
Laut "AI Market Assessment" sind rund 24 Prozent der erfassten KI-Funktionen produktiv im Einsatz (2025: 10 Prozent), weitere 7 Prozent in Pilotprojekten und 9 Prozent in kurzfristiger Entwicklung. Gleichzeitig sind 41 Prozent der identifizierten Funktionen noch nicht Teil konkreter Roadmaps. Organisationen gehen entsprechend unterschiedlich vor: Während einige gezielt investieren, warten andere auf belastbare Anwendungsfälle.
Rolle der Lernsysteme verschiebt sich
Inhaltlich konzentriert sich die Entwicklung derzeit vor allem auf Learning Experience und Learning Management. Im Fokus stehen personalisierte Empfehlungen, intelligente Suchfunktionen, generative Content-Erstellung, automatisierte Assessments sowie digitale Assistenten. Ein Teil dieser Funktionen hat bereits einen quasi-standardisierten Status erreicht, wie etwa KI-gestützte Übersetzungen oder automatisierte Content-Generierung.
Die Analysen liefern keinen Hinweis darauf, dass KI Lernplattformen vollständig ersetzt. Vielmehr verändert sich ihre Rolle. KI übernimmt zunehmend Funktionen wie Suche, Empfehlungen oder Content-Erstellung, die bislang eng an Plattformen gebunden waren. Gleichzeitig bleiben Lernsysteme zentrale Infrastruktur, wie etwa für Datenmanagement, Integration in HR-Prozesse sowie Governance und Reporting. Was sich verändert, ist vor allem der Zugang: Lernen erfolgt demnach stärker über dialogische Interfaces und kontextbezogene Interaktionen.
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Mehr kontextbezogene Lerninhalte, aber Schwächen bei kollaborativen Lernformen
Parallel dazu gewinnt das Konzept des Lernens "in the flow of Work" an Bedeutung. Inhalte werden kontextbezogener bereitgestellt und können situativ genutzt werden. KI wirkt hier als zentraler Enabler, indem sie Inhalte unabhängig von Formaten zugänglich macht.
Trotz dieser Fortschritte sehen die Analysten strukturelle Defizite. Während individuelles Lernen durch KI effizienter wird, bleibt gemeinsames Lernen häufig unterentwickelt. Kollaborative Formate, kohortenbasiertes Lernen und Facilitation-Kompetenzen sind in vielen Plattformen nur unzureichend abgebildet.
Fokus verschiebt sich in Richtung Skills
Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach anwendungsnahen Lernformaten: Simulationen, szenariobasierte Trainings und KI-gestützte Rollenspiele gewinnen an Bedeutung. Sie ermöglichen es, Skills im konkreten Anwendungskontext zu entwickeln und Fortschritte datenbasiert zu erfassen. Damit rückt die Verbindung von Lernen und Leistung stärker in den Mittelpunkt – eng verknüpft mit dem Trend zu kompetenzbasierten Organisationsmodellen.
Auch die Marktstruktur verändert sich. Klassische Kategorien wie LMS, LXP oder Content-Anbieter verlieren an Trennschärfe. Anbieter erweitern ihre Lösungen zu integrierten Plattformen, die Content, Authoring, Skill Management und Lernsteuerung verbinden. KI beschleunigt diese Entwicklung, da neue Funktionen leichter integrierbar sind.
Differenzierung über Daten und Services
Im Wettbewerb gewinnen andere Faktoren an Bedeutung. Differenzierung erfolgt zunehmend über Datenkompetenz, Integrationsfähigkeit, Servicequalität und die Fähigkeit, messbaren Nutzen zu liefern. Beratungs- und Managed Services werden wichtiger, da Unternehmen Unterstützung bei der Umsetzung und Skalierung ihrer Lernstrategien benötigen.
Fazit: Markt für digitales Lernen in der Neuordnung
Die Fosway-Analysen zeigen einen Markt, der sich zunehmend als vernetztes Ökosystem entwickelt. KI treibt die technologische Innovation mit hoher Geschwindigkeit voran, doch die tatsächliche Nutzung und Wertrealisierung bleibt in vielen Organisationen hinter den Möglichkeiten zurück. Für HR und L&D verschiebt sich damit die zentrale Herausforderung: Es geht weniger um die Identifikation neuer Technologien, sondern um deren strategische Einordnung und wirksame Integration in den Arbeitskontext.
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