Zusammenfassung

 
Begriff

Kohlenstoffdisulfid wird auch als Schwefelkohlenstoff oder Kohlendisulfid bezeichnet und ist in reinem Zustand eine farblose Flüssigkeit, die sehr leicht flüchtig ist. Durch Verunreinigungen verfärbt sich die Flüssigkeit gelb, sie riecht dann nach faulem Rettich. Schwefelkohlenstoff wird hauptsächlich zur Herstellung von Viskosefasern in der Kunstseide- und Zellstoffindustrie eingesetzt.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Es gelten folgende Regelungen:

1 Anwendungsgebiete

Schwefelkohlenstoff wird hauptsächlich zur Herstellung von Viskosefasern in der Kunstseide- und Zellstoffindustrie eingesetzt. Weitere Anwendungen sind:

  • Herstellung von Vulkanisationsbeschleunigern,
  • Extraktionsmittel für Fette, Öle und Harze,
  • Lösemittel in der IR-Spektroskopie,
  • Bekämpfung der Reblaus im Weinbau (beschränkt zugelassen).

Daraus ergibt sich eine Exposition mit Schwefelkohlenstoff u.  a. bei folgenden Tätigkeiten bzw. Verfahren (s. DGUV-I 240-060):

  • Viskoseherstellung und -verarbeitung,
  • Reinigungs-, Wartungs-, Instandhaltungs-, Reparatur-, Sanierungs- und Abbrucharbeiten sowie Probenahme in Produktions- und Abfüllanlagen,
  • Extraktion von Fetten aus ölhaltigen Samen, Wolle, Häuten,
  • Behebung von Betriebsstörungen in Anlagen zur Herstellung, Weiterverarbeitung und Abfüllung sowie Extraktionsanlagen,
  • Arbeiten in kontaminierten Bereichen,
  • Herstellen von Schwefelkohlenstoff,
  • Herstellen von Tetrachlorkohlenstoff aus Schwefelkohlenstoff,
  • Extraktion von Schwefel aus Gestein
  • Reinigen von Rohparaffin.

2 Gefahren

2.1 Gesundheitsgefahren

Eine Aufnahme erfolgt hauptsächlich über Atemwege und Haut. Mögliche Gesundheitsgefährdungen:

  • reizt Atemwege, Augen und Haut,
  • Erregungszustände und Bewusstlosigkeit,
  • Nervenerkrankungen und Schädigung des Gefäßsystems,
  • Gehörschädigung (ototoxisch),
  • fruchtschädigende und fortpflanzungsschädigende Wirkung wird vermutet.

Erkrankungen durch Schwefelkohlenstoff sind als Berufskrankheit anerkannt (Nr. 1305).

 
Achtung

Kombinationswirkungen bei Arbeiten in Lärmbereichen

Werden Tätigkeiten mit höherer Exposition, z.  B. Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten oder Behebung von Betriebsstörungen in Lärmbereichen, ausgeübt, so besteht – wegen der gehörschädigenden (ototoxischen) Eigenschaft von Schwefelkohlenstoff – die Gefahr möglicher Kombinationswirkungen mit Lärm. Dies muss bei der Gehörvorsorge nach dem Grundsatz G 20 berücksichtigt werden (s. DGUV-I 240-200).

Der Arbeitsplatzgrenzwert beträgt 30 mg/m³ bzw. 10 ml/m³ (ppm). Die untere Explosionsgrenze liegt bei 0,6 Vol. % bzw. 19 g/m³, die obere Explosionsgrenze bei 60 Vol. % bzw. 1.900 g/m³.

2.2 Brand- und Explosionsgefahr

Schwefelkohlenstoff ist besonders feuer- und explosionsgefährlich. Dämpfe sind schwerer als Luft und bilden mit Luft eine explosionsfähige Atmosphäre.

3 Maßnahmen

3.1 Technische Maßnahmen

  • Bildung von Dämpfen und Nebeln vermeiden;
  • ggf. in geschlossenen Anlagen verwenden;
  • ggf. technische Lüftung;
  • ggf. Abluftreinigung, v. a. in Anlagen zur Herstellung und Verarbeitung von Viskose.

Maßnahmen zum Brand- und Explosionsschutz, v. a.

  • ggf. Anlagenkomponenten inertisieren;
  • Verbotszeichen P003 "Keine offene Flamme; Feuer, offene Zündquelle und Rauchen verboten" und Warnzeichen D-W021 "Warnung vor explosionsfähiger Atmosphäre" anbringen;
  • von Zündquellen fern halten, nicht rauchen, offene Schlagfunken und Reibfunken vermeiden;
  • elektrostatisch ableitfähige oder leitfähige Behälter verwenden oder solche, die sich nicht gefährlich aufladen können;
  • Feuerarbeiten nur mit schriftlicher Erlaubnis ausführen.

3.2 Organisatorische Maßnahmen

3.3 Persönliche Maßnahmen

 
Wichtig

Schwefelwasserstoff als Prüfchemikalie für Schutzhandschuhe

Schwefelwasserstoff ist Prüfchemikalie für Schutzhandschuhe. Handschuhe, die für den Umgang mit schwefelhaltigen organischen Verbindungen geeignet sind, tragen nach DIN EN 374-1 den Kennbuchstaben E (DGUV-I 212-007).

  • Atemschutz, z.  B. bei Grenzwertüberschreitung
  • antistatische Schutzkleidung

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