Schlaflos in Berlin: HR und IT tüfteln gemeinsam
Das innovative Format der Veranstaltung hatten Recruiting-Beraterin Eva Zils von Online-Recruiting.net und Andreas Dittes, Gründer und Geschäftsführer des Recruiting-Start-ups Talentwunder, an IT-Hackathons angelehnt, bei denen sich Programmierer zum gemeinsamen Tüfteln treffen.
Bei der Veranstaltung im Berliner Base Camp Ende Mai trafen rund 50 ITler auf 25 Personaler. Bei einem Pitch gleich zu Anfang des Events konnten die Vertreter beider Zünfte Ideen vorstellen, mit der sie die HR-Arbeit mittels technischer Unterstützung verbessern wollen.
Insgesamt elf Personaler und Entwickler wagten sich und stellten Herausforderungen und damit verknüpfte IT-Wünsche vor – vorwiegend aus dem Bereich Recruiting (Verbesserung und Vereinfachung des Bewerbungsprozesses) und Skill Management (Überblick über die im Unternehmen vorhandenen Fähigkeiten verbessern).
Nächtliche Tweets zeigen Status Quo
Im Anschluss daran fanden sich die Ideengeber mit den Entwicklern in Kleingruppen zusammen, um zu diskutieren, wie diesen Herausforderungen mit IT-Lösungen beizukommen sei und gemeinsam eine IT-Lösung zu entwickeln. Die Techis machten sich sogleich engagiert an die Arbeit; teilweise arbeiteten sie bis tief in die Nacht hinein ohne Pause an ihren Prototypen weiter, wie einige nächtliche Tweets zum Status Quo der Projekte belegen.
Lockeres Netzwerkformat mit Recruiting-Schwerpunkt
Wer nicht durchgängig am Tüfteln war, konnte die freie Zeit zum Netzwerken und Austauschen mit Gleichgesinnten nutzen oder an den parallel stattfindenden Sessions zu HR-Themen teilnehmen. Das lockere, interaktive Format machte lebhaften Diskussionen möglich, die zu einem ständigen, geschäftigen Grundrauschen im Base Camp führten. Damit wurden Hürden abgebaut und Personaler, Anbieter und ITler tauschten sich untereinander und miteinander ungezwungen aus, was nicht zuletzt auch das überall zu hörende "Du" belegte.
So konnten auch die Teilnehmer etwas von der Veranstaltung mitnehmen, die keine IT-Partner für ihre Projekte gefunden hatten oder nicht aus dem Recruiting-Bereich kamen – der Hackathon war zwar nicht ausschließlich als Veranstaltung rund ums Thema "Recruiting" konzipiert, jedoch ergab sich durch die Personaler-Pitches, die Sessions und nicht zuletzt wohl auch durch das Netzwerk der beiden Initiatoren ein starker Schwerpunkt auf Entwicklungen und Trends in diesem Themenbereich.
Aus elf Pitches entstehen acht Lösungen
Zum Abschluss der Veranstaltung konnten die Teams dann ihre Lösungen, darunter bereits erste Prototypen, präsentieren: Aus den elf Pitches waren acht Lösungen entstanden, die eine Experten-Jury bewertete.
Auf dem ersten Platz landete der sogenannte "Job Agent": Er soll den Bewerbungsprozess von Anfang bis Ende automatisch durchsteuern. Der Assistent übernimmt vollautomatisiert die Suche nach offenen Stellen, das Verschicken der Bewerbungen und sogar die Termin-Koordination zwischen Recruiter und Bewerber. Idealerweise solle der "Job Agent" sogar die Gehaltsverhandlungen automatisch führen können, so der Wunsch des federführenden Personalers.
Das zweitplatzierte Tool soll es Personalern, Führungskräften oder Projektleitern möglich machen, per einfacher Suchabfrage diejenigen Mitarbeiter im Unternehmen zu finden, die über die passenden Fähigkeiten für eine Stelle oder ein Projekt verfügen. Der "Skill Aggregator", so der Name der Lösung, soll sich die Mitarbeiter-Skills aus allen möglichen Quellen, wie HR-System oder sozialen Netzwerken, ziehen und diese mittels bunter Ringe, die für die einzelnen Skills stehen, visualisieren.
Mit dem dritten Platz zeichnete die Jury eine Lösung aus, die es ermöglichen soll, die Persönlichkeitspassung eines Bewerbers schon zu Anfang des Recruitingprozesses zu bewerten. Dazu entwickelten die ITler ein einfach zu handhabendes Tool, mit dessen Hilfe sich der Bewerber in einem kurzen Video präsentieren kann und der Recruiter somit einen ersten lebhaften Eindruck von dessen Persönlichkeit bekommt.
Erlaubt ist, was technisch möglich ist
Bei der Bewertung der Prototypen wurden arbeits- und datenschutzrechtliche Aspekte sowie mögliche Auswirkungen der entwickelten IT-Tools aufs Employer Branding des Unternehmens zwar angerissen, blieben aber sonst weitgehend außen vor. Bei den Lösungen sowie beim Hackathon an sich sollte vielmehr im Vordergrund stehen, was technisch machbar ist, so das Konzept der Initiatoren. Die Praktikabilität und Alltagstauglichkeit der Lösungen rückte dadurch ein wenig in den Hintergrund, was auch manche Teilnehmer beim Siegerkonzept vermissten.
Auch wenn offen bleibt, ob die Personaler künftig die entwickelten Tools wirklich einsetzen und nutzen können, ist der HR Hackathon seinem Anspruch gerecht geworden: Personaler und Entwickler zusammen zu bringen und deutlich zu machen, was in der schönen neuen HR-IT-Welt schon jetzt möglich ist – aber bisher viel zu wenig genutzt wird.
Autorin: Andrea Sattler, Redaktion Personal
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