DGB warnt vor Belastung durch Digitalisierung
Bereits heute hat die Digitalisierung den Arbeitsalltag verändert – und sie tut es noch: Die Schlagworte in diesem Kontext lauten Home-Office, flexible Arbeitszeitgestaltung, flache Hierarchien und Partizipation.
Diese Entwicklungen im Fahrwasser von New Work und Agilität gehen für viele Arbeitnehmer mit mehr Freiheiten im Arbeitsalltag einher. Doch der zunehmende Einsatz der Digitaltechnik führt nicht automatisch zu verbesserten Arbeitsbedingungen. Vielerorts scheint sogar das Gegenteil der Fall zu sein, wie eine Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) unter 9737 Arbeitnehmern zeigt.
Höhere Arbeitsbelastung durch Digitalisierung
Knapp die Hälfte (46 Prozent) der Beschäftigten, die in starkem Maße digitalisiert arbeiten, gaben bei der DGB-Befragung an, dass die Arbeitsbelastung im Zuge der Digitalisierung größer geworden sei. Demgegenüber sahen beinahe genauso viele Studienteilnehmer (45 Prozent) keine nennenswerten Veränderungen.
Dass die Digitalisierung jedoch für Entlastung im Arbeitsalltag sorge, scheint eine Minderheitsmeinung unter den befragten Arbeitnehmern zu sein – nur neun Prozent der Studienteilnehmer waren dieser Auffassung.
Arbeit 4.0: Chancen und Risiken
Dieses erste Ergebnis aus der Beschäftigtenbefragung zum DGB-Index "Gute Arbeit 2016" ist für Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied beim DGB, ein Argument für eine Neubewertung der digitalisierten Arbeitsformen: "In der Debatte um Arbeiten 4.0 wird meist der Eindruck erweckt, als wären die Chancen und Risiken der Digitalisierung der Arbeitswelt gleich verteilt", sagte Buntenbach der Deutschen Presse-Agentur.
"Die aktuelle Befragung zeigt allerdings, dass digitales Arbeiten bislang für fast die Hälfte der Beschäftigten dazu führt, dass die Belastungen steigen." Die höhere Arbeitsbelastung sei wiederum "eine Folge der Entgrenzung und Verlängerung der Arbeitszeiten, der permanenten Erreichbarkeit und der Arbeitsverdichtung".
Entgrenzung der Arbeitszeiten
Auf eine zunehmende Entgrenzung der Arbeitszeit deuten auch die Zahlen hin, die das Arbeitsministerium jüngst auf Anfrage der Linkspartei vorlegte: So hätten vergangenes Jahr mehr als 1,7 Millionen Arbeitnehmer (4,8 Prozent) länger als 48 Stunden pro Woche gearbeitet, während 1995 nur 1,3 Millionen Menschen (4,2 Prozent) diese Wochenarbeitszeit regelmäßig überschritten hätten.
Damals seien außerdem rund sechs Millionen Beschäftigte gewohnheitsmäßig samstags oder sonntags ihrem Beruf nachgegangen, 2015 arbeiteten hingegen bereits 8,8 Millionen Menschen regelmäßig am Wochenende - jeder vierte Erwerbstätige.
Regeln für mobiles Arbeiten
Um solchen Entwicklungen angemessen begegnen zu können, seien Aufklärungsarbeit, aber auch klare Regelungen notwendig, wie Professorin Ulrike Hellert von der Hochschule für Ökonomie und Management (FOM) jüngst im Personalmagazin empfohlen hat.
Mit Blick auf die Ergebnisse der FOM-"Arbeitszeitbefragung 2015" warnte die Arbeitspsychologin davor, Grauzonen entstehen zu lassen: "Ich sehe eine wichtige Führungsaufgabe darin, die geleistete Arbeitszeit zu hinterfragen und im Auge zu behalten. Dafür ist es notwendig, klar zu definieren: Was fällt für uns unter mobile Arbeit? Es ist für beide Seiten sinnvoll, dass das geregelt ist", so Hellert. "Die Rahmenbedingungen müssen transparent sein und sollten natürlich gemeinsam mit den jeweiligen Beschäftigten vereinbart werden."
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