
HR informieren, inspirieren, voranbringen: Die Haufe HR-Onlinekonferenz 2026 im Rückblick
Mit rund 5.000 Anmeldungen hat die zweite Haufe HR-Online-Konferenz unter dem Motto „Unternehmerisch Handeln" einmal mehr gezeigt: Der Bedarf an Orientierung im HR ist ungebrochen. Für uns ist diese Konferenz deshalb mehr als ein jährliches Format – sie ist Ausdruck unserer Überzeugung, dass informierte und inspirierte HR-Profis bessere Entscheidungen treffen und dass Komplexität kein Dauerzustand sein muss, sondern sich in konkrete nächste Schritte übersetzen lässt.
Julia Senner, Redakteurin bei personalmagazin und neues lernen, führte durch einen Vormittag, der wissenschaftliche Einordnung und Praxisberichte bewusst nebeneinanderstellte – von der Frage, ob das Leistungsversprechen noch trägt, über die EU-Entgelttransparenzrichtlinie bis zur Rolle von HR in der KI-Transformation.
Aufstieg durch Leistung: Ein Versprechen auf demPrüfstand
Den Auftakt machte ein Gespräch zwischen Steffen Mau, Professor für Makrosoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin, und Reiner Straub, Herausgeber des personalmagazins. Im Zentrum stand die Frage, ob das Versprechen „Leistung führt zu Aufstieg" in Unternehmen noch trägt. Mau verwies auf eine bemerkenswerte Spannung: Die Zustimmung zum Leistungsprinzip ist in Umfragen weiterhin hoch – gleichzeitig wachsen die Zweifel an Umsetzung. Ifo-Daten zeigen, dass beruflicher Erfolg und Einkommen seit den 1970er-Jahren wieder stärker vom Elternhaus abhängen – ein Befund, der die klassische Aufstiegserzählung unter Druck setzt.
Sozialstaat: Wo der Reformdruck am größten ist
Andreas Peichl, Professor für Volkswirtschaftslehre an der LMU München und Forschungsleiter am Ifo-Institut, ordnete die Reformdebatte ein. Sein zentrales Datum: Die Sozialleistungsquote Deutschlands liegt aktuell bei rund 31 Prozent des BIP – rund zwei Prozentpunkte über dem Vorpandemieniveau, was etwa 90 Milliarden Euro entspricht. Für Unternehmen und HR hat das direkte Implikationen: beim Beitragsniveau, bei der Attraktivität von Beschäftigung und beim politischen Handlungsdruck.
Entgelttransparenz: Was Unternehmen jetzt wissen müssen
Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie war das vielleichtdringlichste regulatorische Thema des Vormittags. Die Umsetzungsfrist verstrich am 11. Juni 2026 – ohne deutsches Umsetzungsgesetz. Dr. Michaela Feliciak (Eversheds Sutherland) und Dr. Dominik Sorber (Pellert), beide Fachanwälte für Arbeitsrecht und Hosts des Podcasts „Fair Pay", erläuterten die Rechtslage: Die Pflichten entfallen nicht automatisch – Beschäftigte können sich bereits heute auf Artikel 157 AEUV und die EU-Grundrechtecharta berufen. Konkrete Hinweise zu Auskunftsansprüchen, Recruiting-Prozessen und Pay-Gap-Berichten sorgten dafür, dass der Talk über abstrakte Rechtsfragen weithinausging.
Unternehmenskultur in der Krise: Was wirklich trägt
Wie bleibt Unternehmenskultur auch unter wirtschaftlichem Druck wirksam? Diese Frage diskutierten Iris Bode, Geschäftsführerin von Haufe, Oliver Sowa, Geschäftsführer der Beutlhauser-Gruppe, und Carsten Schermuly, Professor für Wirtschaftspsychologie – moderiert von Christina Enderle da ilva, Chefredakteurin bei neues lernen.
Iris Bode beschrieb die Bausteine wirksamer Kultur: eine sinnstiftende Arbeitsumgebung, die intrinsische Motivation fördert, Nahbarkeit als Familienunternehmen mit flachen Hierarchien, konsequente Transparenz bei Entscheidungen – besonders in Phasen des Wandels – sowie eine Lernkultur, die Raum für Experimente und Fehler lässt. Oliver Sowa ergänzte, dass Kultur nicht angeordnet werden kann, sondern über veränderte Rahmenbedingungen entsteht: durch den Abbau von Silostrukturen und die Verlagerung von Entscheidungskompetenz dorthin, wo Fachkompetenz sitzt. Carsten Schermuly lieferte die wissenschaftliche Einordnung: Klare Werte, Kooperation und Empowerment korrelieren positiv mit Organisationsleistung – stark hierarchische, absicherungsorientierte Kulturen zeigen tendenziell das Gegenteil.
Winning Attitude bei Mercedes-Benz: Leistungskultur imUmbau
Britta Seeger, Personalvorständin der Mercedes-Benz Group, sprach im Gespräch mit Matthias Haller, Chefredakteur des personalmagazins, über die „Winning Attitude" als Teil des Programms „Next Level Performance". Ihr Punkt: Es geht nicht darum, Schwächen zu beheben, sondern eine bestehende Stärke gezielt auszubauen. Zugleich beschrieb sie einen Lernprozess: Nach der Umstellung von individueller auf teamorientierte Leistungsbewertung forderten Mitarbeitende eine stärkere Rückbindung an den Unternehmenszweck ein – und sichtbare Anerkennung für besonderes Engagement. Beides zu verbinden, bleibt eine zentrale Aufgabe für HR.
KI-Transformation: Welche Rolle HR übernehmen muss
Den Abschluss gestaltete Katharina Hölzle, Professorin für Strategy Management, Leiterin des Fraunhofer-IAO und Vorstandsmitglied der DGFP. Ihre These: Anders als bei früheren technologischen Umbrüchen verschmelzen Mensch und Technologie heute so eng, dass sich Verantwortlichkeiten nicht mehr trennscharf zuordnen lassen. Daraus ergibt sich eine klare Erwartung an HR: aktiv an der Gestaltung dieser Transformation mitzuwirken – durch den Aufbau von KI-Kompetenzen und durch Formate, in denen Unternehmen Erfahrungen miteinander teilen.
Leistungsversprechen, Sozialstaat, Entgelttransparenz, Kulturwandel, KI-Transformation – auf den ersten Blick unterschiedliche Themen. Was sie verbindet: HR-Arbeit findet heute mitten im Spannungsfeld zwischengesellschaftlichem Wandel, regulatorischen Anforderungen und wirtschaftlichem Druck statt. Genau dort setzt die Haufe HR-Onlinekonferenz an: nicht um Komplexität aufzuhäufen, sondern um sie aufzulösen. In Einordnung, Praxis und konkrete nächste Schritte. Weil HR-Profis keine weiteren Fragen brauchen, sondern Antworten, die morgen im Alltag wirken.