Kai Anderson: "Happy People sind sicher unangebracht"
Haufe Online Redaktion: Inwiefern ist dies ein klassisches Dilemma für Personaler – den Spagat zwischen Stellenabbau und dem Werben neuer Mitarbeiter in anderen Unternehmenssparten zu schaffen?
Kai Anderson: Organisationen, deren Geschäftsmodell sich verändert, sind meist darauf angewiesen, neue Fähigkeiten zu erwerben. Auf der anderen Seite sind bestimmte Qualifikationen nicht mehr in dem Maß gefragt, wie früher. Die wirtschaftliche Notwendigkeit von zeitgleichem Aufbau und Abbau von Kapazitäten sichert also das Überleben des Ganzen. Die Erkenntnis sollte für HR handlungsleitend sein.
Haufe Online Redaktion: Was ist bei einer Employer-Branding-Kampagne zu beachten, wenn sie mit gleichzeitigem Stellenabbau zusammentrifft?
Anderson: Im Employer Branding sollte die Positionierung des Unternehmens als Arbeitgeber von den Kommunikationsmaßnahmen – insbesondere einer Kampagne – getrennt werden. Hier liegt die Chance auch in schwierigen Unternehmenssituationen. Die Positionierung, deren Ergebnis eine Employer Value Proposition (EVP) ist, sollte die authentischen, relevanten und differenzierenden Merkmale des Arbeitgebers herausstellen. Diese sollten langfristiger Natur und damit unabhängig von aktuellen wirtschaftlichen Einflüssen sein.
Haufe Online Redaktion: Gibt es hier ein absolutes "No-Go" in der Kampagnensprache oder -darstellung? Was muss man in jedem Fall vermeiden?
Anderson: Humor und "Happy People" als Merkmal einer Kampagne sind in einer solchen Unternehmenssituation sicher unangebracht. Der Charakter der Kommunikationsmaßnahmen in so einer Unternehmenssituation sollte der Ernsthaftigkeit der Lage Rechnung tragen, ohne zu problematisieren. Sinnvoll erscheint das Herausstellen objektiver Stärken des Arbeitgebers, und weniger der emotionalen Aspekte. Das ist eine Gratwanderung, für die man Fingerspitzengefühl braucht.
Haufe Online Redaktion: Wie lässt sich eine Demotivation der Mitarbeiter vermeiden – auf die eine offensive Kampagne zynisch wirken könnte?
Anderson: Mit Kommunikation und Partizipation. So eine Organisation befindet sich in einem Turnaround. Man muss sich fragen, ob das jedem Mitarbeiter bewusst ist. Die wirtschaftlichen Zusammenhänge und die strategischen Notwendigkeiten klar zu machen ist zwingende Voraussetzung für das Gelingen eines solchen Umbruchs. Das erfordert Innenkommunikation – sollte aber nicht damit aufhören. Wenn die verbleibenden Mitarbeiter in einen Dialog eingebunden werden, können sie sich einbringen und Teil der Lösung werden. Damit sollte auch das Verständnis für Maßnahmen steigen, die es dem Unternehmen ermöglicht, kritische, eventuell neue Zielgruppen anzusprechen und zu gewinnen.
Das Interview führte Kristina Enderle da Silva, Redaktion Personal.
Kai Anderson ist Mitbegründer und Partner des HR-Beratungsunternehmens Promerit AG.
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Torsten Schneider
04.11.2013 08:02 Uhr
Die Situation bei Weltbild zeigt, dass alle Unternehmen, ganz besonders jedoch solche in Branchen im Umbruch, dringend in eine strategische Personalplanung und Personalentwicklung investieren müssen. Wenn Unternehmen attraktiv für Mitarbeiter sein wollen, dann sollten sie auch im Employer Branding zeigen, dass sie sich durch entsprechende Aktivitäten auf Veränderungen vorbereiten und Mitarbeitern, die selbst bereit sind, sich auf Veränderungen einzustellen, eine Perspektive geben können. Damit hat man auch attraktive und glaubwürdige Botschaften im Employer Branding. Diese sind attraktiv für aktive und neue Mitarbeiter gleichermaßen. Employer Branding ist dann nicht mehr nur ein Kampagne, sondern Bestandteil eines integrierten Personalmanagements.
Kristina Enderle da Silva
04.11.2013 13:21 Uhr
Vielen Dank, Herr Schneider, für Ihre weiteren, wichtigen Ausführungen zum Thema. Die Redaktion würde natürlich interessieren, ob es auch gelungen Praxisbeispiele gibt. Vielleicht kennen Sie eines oder ein weiterer Leser. Wir freuen uns über Anregungen.
Beste Grüße
Kristina Enderle da Silva, Redaktion Personal