Destatis: Jeder achte Mieter mit Wohnkosten überlastet

Mehr als jeder achte Mieter in Deutschland ist mit den Kosten fürs Wohnen überlastet, wie das Statistische Bundesamt feststellt. Das heißt: Alle Ausgaben zusammen verbrauchen rund 40 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens. Die Wohnungswirtschaft schlägt einen "Energiepreisdeckel" vor.

Im vergangenen Jahr war mehr als jeder achte Mieter (12,8 Prozent) in Deutschland mit den Wohnkosten überlastet. Das zeigt eine Auswertung des Statistischen Bundesamts. Überlastung bedeutet demnach, dass sämtliche Ausgaben für das Wohnen – einschließlich der zuletzt stark gestiegenen Energiekosten – mehr als 40 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens verbrauchen. Für Mieter und Eigentümer insgesamt lag der Wert im Jahr 2021 bei 10,7 Prozent, so die Statistiker.

Mit durchschnittlich 28,6 Prozent war die Wohnkostenbelastung im Jahr 2021 in den Städten am größten. In ländlichen Gebieten mussten im Schnitt 24,9 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens für Wohnkosten aufgebracht werden.

Miete: Viertel des Einkommens geht fürs Wohnen drauf

Auch die Mietentwicklung hat einen Einfluss auf die Wohnkostenbelastung: Sie stiegen in Deutschland laut Destatis von 2015 bis 2021 um 8,5 Prozent. Das betrifft ziemlich viele Haushalte: Mit einem Mieteranteil von 50,5 Prozent an der Gesamtbevölkerung liegt Deutschland europaweit an der Spitze.

Im bundesweiten Durchschnitt gaben die Deutschen im vergangenen Jahr knapp ein Viertel (23,3 Prozent) des Einkommens fürs Wohnen aus – bei Mietern sind es sogar 27,6 Prozent. Am stärksten belastet sind laut Bundesamt Single-Haushalte, die im Schnitt mehr als ein Drittel (35,4 Prozent) des verfügbaren Einkommens aufbringen müssen. Vergleichsweise geringe Kosten haben kinderlose Paare mit 23,7 Prozent. Im unteren Einkommensfünftel lebt mehr als ein Drittel (36,2 Prozent) der Menschen in einem ständig finanziell überlasteten Haushalt.

Der Preisanstieg für die Haushaltsenergie lag nach Angaben der Statistiker bei plus 42,9 Prozent im Juli 2022 gegenüber Juli 2021: Heizöl verteuerte sich um 102,6 Prozent und Erdgas um 75,1 Prozent. Der Preisanstieg bei Strom lag bei plus 18,1 Prozent. Die Regierung steht unter Druck, die hohen Preise für die Bürger abzufedern.

Wohnungswirtschaft pocht auf "Energiepreisdeckel"

Die sozial orientierte Wohnungswirtschaft macht sich angesichts der hohen Energiekosten für einen zeitlich befristeten Preisdeckel stark. "Ein Energiepreisdeckel kann verhindern, dass Menschen auf Grund hoher Heiz- und Stromkosten ins wirtschaftliche Unglück stürzen", sagte der Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Andreas Breitner.

Die "Wirtschaftsweise" Veronika Grimm hatte zuvor einen staatlich subventionierten Grundverbrauch ins Spiel gebracht: Haushalte bis zu einem bestimmten Einkommen könnten eine gewisse Menge – zum Beispiel 75 Prozent des Durchschnittsverbrauches – zu günstigen Konditionen zur Verfügung gestellt bekommen, sagte Grimm der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Ein solches Modell würde einen Anreiz zum Energiesparen geben und möglichen Zahlungsschwierigkeiten von Mietern, Versorgern und Vermietern vorbeugen. Letztere treten derzeit gegenüber Versorgern in Vorleistung.

Es sei wichtig, die höheren Gaspreise zeitnah an die Verbraucher weiterzugeben, gleichzeitig müsse ein glaubwürdiges Entlastungspaket auf den Tisch, so Grimm. Das Bundeskabinett trifft sich dieser Tage zum Klausurtreffen in Meseberg, um Maßnahmen zu diskutieren.

DGB-Konzept: Preisgarantie, Deckel, Pauschale

Vor den angekündigten Entscheidungen der Bundesregierung über ein neues Entlastungspaket hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) den Vorschlag eines Energiepreisdeckels präzisiert.

Der Staat solle für jeden Haushalt eine Preisgarantie für einen Grundbedarf für Strom beziehungsweise Gas geben. Für alles darüber soll der Marktpreis gelten, heißt es in einem DGB-Konzept, das dpa vorliegt. In einer Modellrechnung würde eine dreiköpfige Familie zum Beispiel 990 Euro für einen Grundbedarf an Gas von 11.000 Kilowattstunden (kWh) zahlen. Die Gesamtkosten für den Deckel betragen laut Konzept maximal elf Milliarden Euro beim aktuellen Preisniveau – und knapp 23 Milliarden Euro bei einen Gaspreisniveau von 20 Cent/kWh. Bis zur Umsetzung eines Energiepreisdeckels sollten kurzfristige Maßnahmen umgesetzt werden, "um die Preisschocks angemessen abzufedern", so der Gewerkschaftsbund.

DGB-Chefin Yasmin Fahimi ergänzte: "Die bisherigen Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung reichen bei Weitem nicht aus." Noch vor einem Preisdeckel sollte es eine Energiepreispauschale von 500 Euro geben. Die Ersparnis für einen Drei-Personen-Haushalt durch einen Preisdeckel bezifferte Fahimi auf rund 1.200 Euro pro Jahr. Für die Finanzierung schlug sie den Klima- und Transformationsfonds der Bundesregierung vor.


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dpa
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