05.09.2014 | Vorreiter

Zalando-Börsengang könnte anderen Tech-Firmen Mut machen

Der Modeversender Zalando geht an die Börse.
Bild: Zalando

Der Internet-Händler Zalando hat sich eine günstige Zeit für seinen Börsengang in Frankfurt ausgesucht. Experten zufolge ist das Marktumfeld für den Berliner Internetversender Zalando positiv - genauso wie für die mit ihm verwandte Startup-Fabrik Rocket Internet. Sie könnten zu "Leuchttürmen" werden und weitere Technologiefirmen aufs Parkett locken.

Der Internet-Händler Zalando hat sich eine günstige Zeit für seinen Börsengang in Frankfurt ausgesucht. Getragen vom Wirbel, den in den USA regelmäßig Parkett-Neulinge aus der Internetwelt wie Facebook und Twitter oder der Börsenkandidat Alibaba auslösen, wächst auch hierzulande wieder das Interesse der Investoren an Technologieunternehmen.

Ist Westwing der nächste Kandidat?

Nach Einschätzung von Konrad Bösl, Börsengangsexperte der Beratungsgesellschaft Blättchen & Partner, ist die Zeit für ein Debüt von Zalando gerade richtig. "Facebook und Twitter sind Eisbrecher für Unternehmen, bei denen die Internettechnologie die Geschäftsbasis darstellt", sagt er. Da es hierzulande in jüngster Zeit kaum Börsengänge gab, warteten Investoren geradezu auf Anlagemöglichkeiten. Da helfe es, dass Zalando zuletzt einen operativen Gewinn vermeldet habe. Ein gutes Abschneiden des Mode-Händlers beim Börsenstart dürfte nach Einschätzung Bösls auch Rocket Internet einen Schub für das erwartete Debüt geben. Unter dem Dach der auf Internetunternehmen spezialisierten Beteiligungsgesellschaft war Zalando einst groß geworden. Gründer von Rocket sind die Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer. Die Start-Up-Schmiede hat laut Bösl noch mehr im Köcher: "Wenn es gut läuft, könnte Westwing gleich der nächste Börsenkandidat sein." Westwing ist ein auf Wohnaccessoires spezialisierter Shopping-Club.

Investoren sind wieder risikofreudiger

Martin Steinbach, bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young zuständig für Börsengänge, sieht noch viel mehr Potenzial im deutschen Markt. "Technologie-Unternehmen, speziell aus dem Bereich E-Commerce, sind hoch im Kommen derzeit. Das war in den USA schon im vergangenen Jahr so, und in Europa spüren wir das jetzt auch." Investoren sind laut Steinbach wieder risikofreudiger geworden und suchen wieder stärker Wachstumswerte. Davor seien Unternehmen in Mode gewesen, die eine sichere Dividende zahlten, jedoch nicht so hohe Wachstumsaussichten böten. Somit könnten auch Unternehmen an der Börse erfolgreich starten, die noch keine oder kaum Gewinne schreiben. "Wichtig ist, dass es Leuchttürme gibt - Beispiele, die funktionieren", sagt Steinbach, "Diese zeigen anderen Technologieunternehmen, dass ihnen auch die Börse als Finanzierungskanal offensteht." Allgemein schätzt Steinbach das Klima für Börsengänge derzeit gut ein. Als Gründe dafür nennt er unter anderem eine stabile Entwicklung des Aktienmarktes, das Abflauen der europäischen Finanzkrise und die andauernde Niedrigzinspolitik.

"Der Markt ist erwachsener geworden"

"Wir werden eine rege zweite Jahreshälfte sehen, sofern nicht irgendwelche unvorhersehbaren externen Schocks oder Krisen dazwischen kommen", sagt Steinbach. Das Jahr 2014 könne insgesamt 10 bis 15 Neuemissionen bringen, bisher waren es fünf mit einem Emissionsvolumen von insgesamt gut 900 Millionen Euro. Mit einem Hype wie zu den Zeiten des Neuen Marktes um das Jahr 2000 herum rechnet der Experte hingegen nicht. "Der Markt ist erwachsener geworden."

Schlagworte zum Thema:  Versandhandel, Börsengang

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