19.12.2013 | Wirtschaftsprüfungsunternehmen

EU beschneidet die Macht der "Großen Vier"

Die großen Wirtschaftsprüfer bekommen strengere Regeln verpasst.
Bild: Haufe Online Redaktion

Deloitte, Ernst & Young, KPMG und PricewaterhouseCoopers: Das sind die "Großen Vier" der Wirtschaftsprüfer in Europa. Entsprechend groß ist auch ihre Marktmacht. Nun will die EU als Lehre aus der Finanzkrise deren Einfluss beschneiden.

Die EU beschneidet die Macht von Wirtschaftsprüfungsunternehmen in Europa. Künftig dürfen sie große Konzerne nur noch zehn Jahre lang prüfen und müssen dann wechseln (Rotationsprinzip). Bestimmte Dienstleistungen - etwa Steuerberatung und Tipps über Investitionen und Strategie - sind Wirtschaftsprüfern nur noch in engen Grenzen erlaubt.

"Große Vier" kontrollieren fast alle wichtigen AG

Honorare aus Tätigkeiten außerhalb des klassischen Geschäfts dürfen nur noch höchstens 70 Prozent betragen. Auf diese Regeln haben sich Vertreter von EU-Parlament, EU-Kommission und Staaten in Brüssel geeinigt. Der Kompromiss bedarf noch der Zustimmung von EU-Staaten und Parlament. Die Pläne richten sich vor allem gegen die "Großen Vier" der Branche: Deloitte, Ernst & Young, KPMG und PricewaterhouseCoopers. In Europa beherrschen diese Konzerne etwa 85 Prozent des Marktes; in Deutschland kontrollieren sie die Bilanzen fast aller wichtigen Aktiengesellschaften.

Interessenkonflikt durch Doppelrolle

Auf diese Weise will Brüssel künftig Bilanzskandale verhindern. Wirtschaftsprüfer prüfen Unternehmensbilanzen und testieren mit ihrer Unterschrift, dass ein Konzern seine Bücher ordnungsgemäß geführt hat. In der Finanzkrise hatten Wirtschaftsprüfer - die parallel oft auch als Unternehmensberater tätig sind - aus Interessenkonflikten nicht rechtzeitig vor Problemen von Banken gewarnt. Kritiker weisen ihnen deshalb eine Mitschuld an der Krise zu.

Kommission scheiterte mit schärferen Regelungen

Auf Druck aus der Branche fallen die Regeln aber deutlich schwächer aus als zunächst geplant. So konnte sich die EU-Kommission nicht damit durchsetzen, den Marktführern in Europa die Unternehmensberatung ganz zu verbieten. Dann hätten sich weltweite Konzerne aufspalten müssen in Prüfgesellschaften und Beratungsfirmen. Auch das Ziel der EU-Kommission, der EU-Börsenaufsicht Esma eine starke Aufgabe bei der Kontrolle zu geben, scheiterte.

Nationalstaaten dürfen schärfere Auflagen machen

Der zuständige EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier begrüßte dennoch die Einigung als "wichtigen Schritt, um das Vertrauen von Investoren in Finanzinformationen zu stärken".  Bei der Rotation darf die Frist von zehn Jahren nur einmal verlängert werden. Die EU-Staaten haben die Möglichkeit, national noch strengere Regeln vorzuschreiben.  Die Auflagen für Wirtschaftsprüfer sind Teil der breit angelegten Gesetze der EU, um den Finanzsektor stabiler zu machen. Strenge Auflagen für Ratingagenturen sind bereits beschlossen.

Schlagworte zum Thema:  Wirtschaftsprüfung, Wirtschaftsprüfer

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