26.08.2011 | Wirtschaft & Märkte

Verbraucher verlieren Vertrauen in den Aufschwung

Nach Firmenchefs verlieren nun auch deutsche Verbraucher das Vertrauen in den Aufschwung. Immer mehr private Haushalte rechneten inzwischen mit einer Schwächephase der Konjunktur und befürchteten deshalb Einkommenseinbußen, berichtete die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK)in ihrer neuesten Konsumklimastudie.

Trotzdem sitze bei vielen Verbrauchern das Geld weiterhin locker. Für den September rechnet die GfK daher beim Konsumklima-Index nur mit einem "moderaten Rückgang" um 0,1 auf 5,2 Punkte. Der ifo-Geschäftsklimaindex hatte sich dagegen im August unerwartet drastisch verschlechtert.

Positive Rahmenbedingungen

Insgesamt hinterlasse die Verschärfung der Schuldenkrise sowie die rasante Talfahrt der Börsen weltweit beim Konsumklima im Moment nur geringe Spuren, stellte die GfK fest. "Die hierzulande überaus positiven Rahmenbedingungen, wie sinkende Arbeitslosigkeit und steigende Einkommen", wirkten diesen negativen Faktoren entgegen, betonte die GfK. Wer nicht um seinen Job bangen müsse, kalkuliere bei seinen privaten Ausgaben meist etwas großzügiger. Bankenvolkswirte betonten, das Konsumklima sei trotz einer leichten Abkühlung besser als in den drei zurückliegenden Jahren.

Entwicklung weiterhin positiv

Auch GfK-Marktforscher Rolf Bürkl sieht die Entwicklung des privaten Konsums weiterhin positiv. "Ich sehe derzeit nicht, dass das Konsumklima in Deutschland vor einem Absturz steht. Die harten Fakten sprechen nicht dafür", sagte er in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Hoffnung auf fallende Ölpreise

Einen Lichtblick für die Verbraucherstimmung sieht Bürkl in dem nahenden Ende der Libyen-Krise. Sollten sich infolge eines Gaddafi-Sturzes stabile Verhältnisse in Libyen einstellen, "wäre ein Krisenherd weg. Damit könnte sich auch die Ölversorgung verbessern", gab Bürkl zu bedenken. "Wenn sich die Rohölpreise verringern, ist das sicher ein gutes Zeichen für die Verbraucher", unterstrich er. Schließlich seien hohe Ölpreise in den vergangenen Monaten ein wesentlicher Treiber für die Inflationsrate gewesen. Und eine hohe Inflation dämpfe in der Regel die Kauflaune. Zudem hatten die hohen Öl- und Benzinpreise die Verbraucher zuletzt stark belastet.

Verbraucher reagieren verunsichert

Derzeit reagierten Verbraucher auf die Welle negativer Börsen- und Konjunkturdaten allerdings stark verunsichert, räumte Bürkl ein. Deutlich werde dies vor allem bei der jüngsten Konjunktureinschätzung der deutschen Verbraucher. Der entsprechende Indikator brach im August auf 13,3 Punkte ein; das seien 31,2 Punkte weniger als im Juli. "Die Bundesbürger befürchten, dass auch die deutsche Konjunktur von der weltweiten Schwächephase angesteckt werden kann, wenn sich die Exportaussichten spürbar eintrüben", berichtet die GfK.

Allerdings hätten die befragten Verbraucher zum Zeitpunkt der Umfrage unter dem direkten Eindruck des DAX-Einbruchs Mitte August gestanden.

Furcht vor höheren Steuern

Auch bei der Frage nach ihren Einkommenserwartungen sind viele Verbraucher inzwischen nach GfK-Feststellung längst nicht mehr so zuversichtlich wie noch vor einigen Monaten. Viele Haushalte befürchteten, dass die wegen der Schuldenkrise geschnürten EU-Hilfspakete auch den deutschen Staat zu höheren Steuern zwingen könnten - Geld, das dann für ein neues TV-Gerät, eine Geschirrspülmaschine oder einen Neuwagen fehlen würde. Der entsprechende Indikator ist daher im August um 7 auf 27,6 Punkte gefallen.

Sinkende Sparquote

Krisenfest zeigte sich im August dagegen die Anschaffungsneigung der Verbraucher - trotz oder gerade wegen der sich eintrübenden Konjunkturaussichten. Denn wegen der Diskussion um die EU-Schuldenkrise fürchten nach GfK-Einschätzung derzeit viele Konsumenten um die Stabilität ihrer Währung. "Sie legen folglich ihr Geld eher in werthaltigen Anschaffungen an, als es auf die hohe Kante zu legen", stellte die GfK fest. Dies zeige auch die sinkende Sparquote. Die sogenannte Anschaffungsneigung sei daher der einzige der drei Konsumklima-Indikatoren, der im August noch gestiegen sei - und zwar um 2,8 auf 36,9 Punkte. Die GfK befragt dazu monatlich 2.000 Verbraucher.

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