19.05.2017 | Zukunftssicherung

Veraltete IT wird für KMU zur Existenzbedrohung

Viele IT-Systeme sind teilweise zwei bis drei Generationssprünge überaltert und können den heutigen Ansprüchen nicht mehr genügen.
Bild: Corbis

Erfahrung, Tradition und Beständigkeit stellen hohe Unternehmenswerte in KMU dar. Doch viele kleine und mittlere Unternehmen investieren kaum in den Erhalt, die zukünftige Bereitstellung und Auffindbarkeit dieser Werte – nämlich in moderne IT. Das kann zur Existenzbedrohung werden.

Viele KMUs blicken auf jahrzehntelange Tradition und Erfahrungen zurück. Sie verfügen oft über ein seit vielen Jahren beständiges Personal und beständige Kundenstrukturen.

Die Gründer dieser Unternehmen waren meist innovative Spezialisten, die sich mit voller Hingabe auf die Entwicklung ihrer Produkte konzentrierten, dabei aber nicht selten die Modernisierung der Unternehmensstrukturen und  –organisation vernachlässigt haben.

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Bedeutung einer modernen IT-Infrastruktur wird unterschätzt

Als Wettbewerbsvorteil wird häufig auf Erfahrungen und Traditionen  verwiesen, die das Unternehmen über Jahrzehnte geprägt hat. Real betrachtet bestehen diese Werte i. d. R. aber aus Mitarbeitern, die dem Unternehmen seit Jahrzehnten treu sind und die oft zitierte Erfahrung in sich tragen. Nach deren Ausscheiden scheiden zeitgleich auch die Erfahrungen, das Wissen und die Traditionen aus.

Der Fokus der Führung lag auf den Kernprodukten und nicht etwa auf einer effektiven und effizienten Unternehmensorganisation. Investitionen wurden und werden weitgehend in neue Fertigungstechnologien gesteckt, die Weiterentwicklung der betrieblichen Infrastrukturen, wie IT-Systeme ist dabei zunehmend ins Hintertreffen geraten. Es wurde versäumt, die Mitarbeitererfahrungen systematisch digital zu dokumentieren, einen Wissenstransfer einzuleiten und so auch zukünftig verfügbar zu machen.

Veraltete IT in KMU wird zur Existenzbedrohung

Die IT-Systeme sind teilweise zwei bis drei Generationssprünge überaltert und können den heutigen Ansprüchen nicht mehr genügen. Themen wie Datensicherheit, -verfügbarkeit, -konsistenz und zukünftige Lesbarkeit der Daten ist nicht mehr durchgängig gewährleistet. Das geht so weit, dass IT-Abteilungen aus ehemaligen Mitarbeitern bestehen, die sich bereits im Ruhestand befinden und nebenbei die veralteten Systeme betreuen.

Im Vergleich dazu gründen sich seit einigen Jahren reihenweise sog. Start-up Unternehmen, die weder über langjährige Erfahrung noch über Tradition verfügen. Moderne Führungskulturen, kurze Entscheidungswege und Flexibilität zeichnen diese Neustarter aus. Investitionen werden hier in moderne IT-Systeme, attraktive Arbeitsplätze und Infrastruktur gesteckt. Einige Traditionsunternehmen gründen selbst eigene Start-up Unternehmen, die über die Attribute anderer Start-up’s verfügen, um nicht vollständig abgehängt zu werden.

Investieren Sie in moderne IT-Infrastruktur - aber stellen Sie vorher die richtigen Fragen

Unternehmen, die sich bisher nicht intensiv um ihre IT gekümmert haben, geraten immer mehr in Bedrängnis. Sie sollten in eine moderne Infrastruktur investieren, aber folgende Fragen vorher stellen und v. a. die richtigen Antworten finden:

  • Sind unsere Unternehmensstrukturen modern?
  • Entsprechen unsere IT-Systeme dem Stand der Technik und können diese auch weiterentwickelt werden?
  • Sind wir zukünftig in der Lage, unser jahrzehntelang erarbeitetes Know-how bereitzustellen und wiederzufinden?
  • Haben wir unser bestehendes Personal gut genug trainiert, um moderne infrastrukturelle Technologien und Systeme zu beherrschen?
  • Haben wir uns bisher zu sehr auf unsere Erfahrungen, Beständigkeit und Traditionen berufen?
  • Was sind unsere messbaren USP’s? Sind diese ausreichend, um gegenüber unseren Wettbewerbern und den verändernden Märkten zu bestehen?
  • Wo sehen wir Nachteile gegenüber einem jungen Start-up Unternehmen?
  • Ist unser Unternehmen so aufgestellt und organisiert, wie ich es gerne selbst übernehmen würde und auch meinen Nachfolgern übergeben möchte?
  • Haben wir einen funktionierenden und systematischen Wissentransfer, z. B. von langjährigen zu neuen Mitarbeitern eingeleitet?

Der Autor Marc Günther ist seit 1995 bei mehreren international anerkannten Zertifizierungsunternehmen als Zertifizierungsauditor bestellt. Seit 2000 ist er für die Standards ISO 9001 und OHSAS 18001 als Trainer und Ausbilder in seinem eigenen Unternehmen sowie einem großen deutschen Ausbildungsträger tätig. Sein Beratungsunternehmen awaris consult unterstützt nationale und internationale Unternehmen aus verschiedenen Branchen bei der Einführung und Optimierung von Managementsystemen sowie Prozess- und Leanmanagement. Mehr von Marc Günther im Interview Compliance in KMU kein Thema?

Schlagworte zum Thema:  KMU, IT-Infrastruktur, IT-System

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