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Verunsicherte Mittelständler bieten weniger Jobs an

Die wichtigsten Konjunkturvorhersagen sind positiv.
Bild: MEV-Verlag, Germany

Viele wichtige Stimmungsanzeiger für die Konjunktur von Ifo bis GfK zeigen eindeutig in eine positive Richtung. Der deutsche Mittelstand ist dagegen noch skeptisch, wie aus einer Umfrage hervorgeht.

Deutschlands Mittelstand blickt einer Umfrage zufolge verunsichert in die Zukunft und rüstet sich vielerorts mit Sparprogrammen und ausgedünntem Stellenangebot. Nur noch ein gutes Drittel (39 Prozent) der Mittelständler hierzulande bewertet die aktuelle Geschäftslage als gut. Vor rund einem halben Jahr hatte sich noch mehr als die Hälfte (53 Prozent) uneingeschränkt zufrieden gezeigt. Das geht aus dem in Stuttgart veröffentlichten Mittelstandsbarometer der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young hervor. 15 Prozent der Unternehmen klagten über schlecht laufende Geschäfte, vor einem halben Jahr waren es lediglich acht Prozent. Allerdings

Zwei Drittel gehen von Stillstand aus 

Basis der Untersuchung ist die repräsentative Befragung von 3.000 Mittelständlern mit einer Belegschaft zwischen 30 und 2.000 Menschen. Der Mittelstand gilt in Deutschland als entscheidender Jobmotor und Garant für ein breitgefächertes Stellenangebot bei konjunkturell solider Lage. Doch ausgerechnet an diesem Punkt legen die Firmen nun zunehmend Hand an: Nicht einmal mehr jedes fünfte mittelständische Unternehmen (18 Prozent) will in den kommenden Monaten zusätzliche Mitarbeiter einstellen - das ist der  niedrigste Wert seit Anfang 2010. Während 14 Prozent der Betriebe Stellenstreichungen planen, rechnen zwei Drittel (68 Prozent) mit Stillstand - also immerhin nicht mit einem Negativtrend.

Kein eindeutig negatives Bild 

Die Sorgenliste ist lang. Hohe Energiepreise, die Verunsicherung durch die Staatsschuldenkrise, anziehende Rohstoffpreise und die Konjunkturprobleme auf dem oft schwächelnden Exportmarkt Europa stehen ganz oben. So ließ auch die Investitionsbereitschaft im Mittelstand spürbar nach: Nur noch 18 Prozent wollen kommendes Jahr verstärkt Geld ausgeben, genauso viele planen dagegen, den Geldhahn stärker zuzudrehen. Trotz der defensiven Situation der Unsicherheit und Zurückhaltung zeichnet die Studie kein eindeutig negatives Bild. Nur jeder zehnte Mittelständler rechnet für die kommenden sechs Monate mit einer sich eintrübenden Geschäftslage. Die Mehrheit (56 Prozent) geht von einer stabilen Lage aus, 34 Prozent meinen eine Verbesserung stehe an. Bei der Gewinnentwicklung ergibt sich ein ähnliches Bild: Nur 13 Prozent erwarten sinkende Erträge, jeder Vierte (26 Prozent) sogar Zuwächse.

Eigentlich positive Konjunkturerwartungen 

Der flauen Stimmung bei Jobangebot und aktueller Geschäftslage stehen wiederum in Summe positive Konjunkturerwartungen für das ganze Jahr 2013 gegenüber: Hatten sich zuletzt Mitte 2012 noch 45 Prozent pessimistisch gezeigt, sackte dieser Anteil jetzt auf 23 Prozent ab. Entsprechend deutlich legten die Konjunkturoptimisten zu: Von elf auf 28 Prozent. Keine Änderung erwarten 49 Prozent (zuvor: 44 Prozent).

Zunehmende Polarisierung 

Der Ernst-&-Young-Mittelstandsexperte Peter Englisch sieht in den Studienergebnissen ein Zeichen für raueren Wind: "Statt Investitionen und Neueinstellungen dürften in den kommenden Monaten vor allem Kostensenkungen auf der Agenda stehen", erklärte er. Zunehmend sei eine Polarisierung zu beobachten - die Spreu trenne sich vom Weizen. "Immer mehr Mittelständler kämpfen mit einer rückläufigen Auftragslage und könnten bei einer Fortdauer der Flaute in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Es wird immer deutlicher, dass Deutschland keine Insel der Seligen ist, wir können uns nicht vollständig von der Krise in weiten Teilen Europas abkoppeln", sagte Englisch.

Hinweise auf Erholung der Wirtschaft 

Andere jüngst veröffentlichte Konjunkturindikatoren stehen den Ergebnissen der Mittelstandsumfrage eher entgegen. Das wichtigste Konjunkturbarometer für Deutschland, der Ifo-Geschäftsklimaindex, stieg im Januar zum dritten Mal in Folge. Die für den Index befragten deutschen Unternehmen bewerteten sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch ihre Aussichten für das kommende halbe Jahr besser. Vor wenigen Tagen brachte der zweite ungewöhnlich starke Anstieg des ZEW-Stimmungsindikators in Folge nach Meinung von Volkswirten klare Hinweise auf eine Erholung der Wirtschaft in Deutschland. Und Marktforschungsinstitut GfK berichtete erst am Dienstag, dass sich bei Deutschlands Verbrauchern wieder Optimismus breitmache. Mit der Aussicht auf eine baldige Belebung der Konjunktur habe sich auch die Konsumstimmung spürbar aufgehellt, teilten die GfK-Experten mit.

Schlagworte zum Thema:  Ifo-Konjunkturindex, Konjunktur, Wirtschaftswachstum, Mittelstand, Umfragen, GfK-Studie

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