15.07.2014 | Übernahme

EnBW will groß ins Erdgas-Geschäft

Die EnBW will ihr Erdgas-Geschäft stärken.
Bild: EnBW/Peter Stumpf

Der drittgrößte deutsche Energieversorger EnBW stärkt beim langfristigen Umbau des Konzerns sein Geschäft mit Erdgas. Das Unternehmen ist künftig alleiniger Eigentümer der Gasversorgung Süddeutschland (GVS).

EnBW bestätigte entsprechende Medienberichte, wonach es die Anteile seines bisherigen Partners, des italienischen Eni-Konzerns, mit übernimmt. Beide Energieversorger hatten die GVS 2002 als Gemeinschaftsunternehmen gegründet. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Nach Informationen der "Stuttgarter Zeitung" und des "Wall Street Journals Deutschland" geht es um etwa 150 Millionen Euro. Die Finanzierung werde vom laufenden Geschäft des Unternehmens getragen, sagte ein Sprecher. Die Kartellbehörden müssen der Übernahme noch zustimmen.

Sicherung der Gasversorgung

Vorstandschef Frank Mastiaux erklärte zu der Investition, dass EnBW damit seine Position bei Handel und Transport von Erdgas deutlich ausbaue. In diesem Bereich werde weiteres Wachstum angestrebt. Mit Blick auf die zu GVS gehörende Terranets BW mit ihrem Leitungsnetz für Erdgas erklärte Mastiaux: "Die alleinige Übernahme der Netzinfrastruktur trägt zu einer sicheren Gasversorgung und zum Gelingen der Energiewende in Baden-Württemberg bei." EnBW ist nahezu ganz in öffentlicher Hand: Hauptaktionäre sind mit je 46,75 Prozent das Land Baden-Württemberg und der Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke.

Absatzgebiet ist die DACH-Region

Die GVS ist Großhändler mit Erdgas und zählt nach eigenen Angaben zu den größten Anbietern in Deutschland. Sie ist führend im Südwesten. Die wichtigsten Kunden sind Stadtwerke und Industrieabnehmer. Das Absatzgebiet umfasst neben Deutschland auch die Schweiz und Österreich. Der Umsatz der GVS belief sich im vergangenen Jahr auf 1,6 Milliarden Euro. Der Gasversorger beschäftigt 88 Mitarbeiter. Eigenständig agiert die terranets bw mit 190 Mitarbeitern. Ihr Netz versorgt nach Firmenangaben zwei Drittel der Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg.

EnBW muss sich neu erfinden

EnBW muss sich wegen des Atomausstiegs und angesichts sinkender Erträge aus der Stromerzeugung neu erfinden. Vorstandschef Frank Mastiaux kündigte bei der Hauptversammlung im Mai an, neben erneuerbaren Energien - vor allem Wind und Wasser - auch den Aufbau neuer Geschäftsfelder zu forcieren. So sollen verstärkt digitale Dienstleistungen für private Haushalte angeboten und Unternehmen beim Energie-Management unterstützt werden. Im vergangenen Jahr erzielte EnBW einen Umsatz von 20,5 Milliarden Euro. Unterm Strich blieb ein Gewinn von 51 Millionen Euro nach 484 Millionen Euro im Vorjahr.

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Schlagworte zum Thema:  Erdgas, Energieversorger

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