| Telekom-Pläne

Die "Drosselkom" rudert zurück

Die Telekom hat mit ihren Drosselplänen Unmut erregt.
Bild: Deutsche Telekom AG

Die Telekom rudert unter öffentlichem Druck bei ihren Tempo-Drosselplänen auf Schlingerkurs zurück. Die Geschwindigkeit gedrosselter Leitungen wird erhöht - und zugleich heißt es, dass man noch nicht wissen könne, wie die Sache im Jahr 2016 aussehen werde.

Die Tempo-Bremse der Deutschen Telekom bröckelt. Erst kam nach öffentlichem Druck heraus, dass bisherige "echte" Flatrates ohne Daten-Obergrenzen überleben werden - aber gegen Aufpreis. Damit bekam die Ankündigung einer "gerechteren" Tarifstruktur den Beigeschmack einer banalen Preiserhöhung. Und jetzt sieht sich der Konzern plötzlich zu einem weiteren Zugeständnis an die Nutzer gezwungen: Sie dürfen auch nach einer Drosselung noch deutlich schneller im Netz surfen als ursprünglich geplant.

Verbraucherzentrale: Total intransparent 

Fast im nächsten Atemzug erklärt Deutschland-Marketingchef Michael Hagspihl dann aber, eigentlich dürften alle Eckdaten noch angepasst werden, weil sich der Markt so schnell entwickele. Schließlich soll die Tempo-Bremse nicht vor 2016 greifen. "Das ist total intransparent", kritisiert Florian Glatzner vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Hagspihls Spagat macht das Schlamassel greifbar, in das sich die Telekom mit ihrer vorausgreifenden Ankündigung hineinmanövriert hat. Der einstige Staatsmonopolist fing sich den Spitznamen "Drosselkom" ein und steckt fest in einer kräftezehrenden Diskussion - mindestens zweieinhalb Jahre bevor die ersten Verbrauch überhaupt Folgen der neuen Tarife spüren sollen.

Datenintensive Multimediadienste 

Wenn die Telekom die Hoffnung gehabt haben sollte, eine entdrosselte Drosselung würde Kritiker besänftigen, lag sie falsch. Auf den ersten Blick surfen auch gedrosselte Nutzer mit einer Mindestgeschwindigkeit von zwei MBit pro Sekunde noch doppelt so schnell wie mit der einfachsten DSL-Leitung. Allerdings verweisen Kritiker wie Markus Beckedahl von dem Verein Digitale Gesellschaft darauf, dass 2016 mehr Menschen datenintensive Multimediadienste nutzen werden. "Wenn mehr als eine Person im Haushalt Videos schaut, ist das Internet für die anderen nicht mehr benutzbar."

Telekom hält an "Managed Services" fest 

Weiter im Raum steht auch der Vorwurf einer Missachtung der Netzneutralität. Das Prinzip besagt, dass alle Daten im Netz gleich behandelt werden sollten. Aber die Telekom hält weiter an der Sonderspur für sogenannte "Managed Services" fest. Das sind Dienste, deren Anbieter sich durch einen Vertrag mit der Telekom besondere Kondition sichern, etwa eine garantierte Qualität. Oder sie zehren wie das gesondert bezahlte hauseigene TV-Angebot "Entertain" nicht an dem zugelassenen Datenvolumen eines Tarifs. Video-Angebote von Konkurrenten würden Nutzer hingegen der Tempo-Bremse näher bringen.

Wettbewerbsdruck im Auge 

Die Telekom argumentiert, "Entertain" sei ein eigenständiges Medienangebot. Der mit Konkurrenzangeboten vergleichbare Filmdienst der Telekom, Videoload, werde dagegen möglicherweise in das Datenvolumen eingerechnet. Darüber sei allerdings noch nicht entschieden worden, sagte Hagspihl. In Unternehmenskreisen heißt es zugleich, die Telekom habe den Wettbewerbsdruck im Auge. Dem Management sei bewusst, dass die Kunden einfach zur Konkurrenz wechseln können. So versicherte Hagspihl auch abermals, die Konditionen zum Jahr 2016 so zu gestalten, dass ein durchschnittlicher Telekom-Kunde keine negativen Auswirkungen erleben werde.

Schlagworte zum Thema:  Deutsche Telekom, Datenübertragung, Flatrate

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