25.07.2014 | Tarifverhandlungen

Höhere Löhne für mehr Konsum

Die stabile Konjunktur lässt Spielrum für Tariferhöhungen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Nach der Bundesbank und mehreren Wirtschaftsforschern dringt auch der Arbeitnehmerflügel der CDU auf höhere Tarifabschlüsse in Deutschland. Das Arbeitgeberlager warnt dagegen vor überzogenen Forderungen.

"Höhere Löhne führen zu einem höheren Konsum und stärken die Binnennachfrage, was im europäischen Binnenmarkt auch die Exportchancen der südeuropäischen Partnerländer erhöht", sagte der Vize der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft, Christian Bäumler. Ein spürbares Lohnplus könne damit dazu beitragen, die wirtschaftlichen Ungleichgewichte in Europa zu mildern.

Bundesbank sieht neuen Spielraum

Bundesbank-Chefvolkswirt Jens Ulbrich hatte angesichts der derzeit extrem niedrigen Inflation für höhere Abschlüsse geworben. Über Jahre hinweg hätten die Tarifparteien "sehr verantwortungsbewusst Lohnzurückhaltung" geübt - nun gebe es neuen Spielraum. Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, Marcel Fratzscher, sprach sich für spürbare Anhebungen aus - ebenso wie DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke.

Arbeitgeber warnen vor Folgen für den Standort

Die Metallarbeitgeber reagierten mit Kritik. Kräftigere Steigerungen der Löhne würden die Investitionsbedingungen verschlechtern und die Unternehmen zwingen, bei Neuinvestitionen auch das Ausland stärker zu berücksichtigen, hieß es aus dem Verband Gesamtmetall. Weitere hohe Lohnzuwächse hätten Folgen für den Heimatstandort: "Alle Beteiligten sind sich einig, dass eine Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands als derzeitiger Konjunkturlokomotive im Euroraum nicht die richtige Maßnahme sein kann." Unionspolitiker Bäumler argumentierte, die Realeinkommen der Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer seien während des vergangenen Jahrzehnts im Gegensatz zu denjenigen in anderen EU-Staaten gesunken. Jetzt müssten sich die unterschiedlichen Lohntrends aufeinander zubewegen - im Interesse der Kaufkraft inner- wie außerhalb Deutschlands: "Ohne Importe nach Deutschland gibt es auch keine Exporte nach Südeuropa."

Tarife stiegen um 3,1 Prozent

Laut Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung konnten sich die deutschen Arbeitnehmer bei den bisherigen Abschlüssen 2014 über ein so dickes Gehaltsplus freuen wie seit 15 Jahren nicht mehr. Die Tarife stiegen demnach im Schnitt um 3,1 Prozent - wobei einzelne Branchen wie die Chemie (3,7 Prozent auf 14 Monate) oder der öffentliche Dienst von Bund und Kommunen (3,4 Prozent) darüber lagen. Der Chef des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung, Gustav Horn, sagte: "Das kommt der Konjunktur mit einer kräftigen Binnennachfrage zu Gute." Bereits das Durchschnittsplus der Abschlüsse übertraf in den ersten sechs Monaten das Niveau der Vorjahre sowie die erwartete Inflationsrate, weshalb Reallohnsteigerungen anstehen. In Deutschland betrug die jährliche Teuerungsrate im Juni lediglich 1,0 Prozent.

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Schlagworte zum Thema:  Tarifverhandlung, Tariferhöhung

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