| Symposium des Bundes der Selbständigen

Energiewende braucht mehr Zeit

Viele Mittelständler befürchten als Folge der Energiewende steigende Kostenbelastungen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Energiewende wird kommen, aber sie wird deutlich schwieriger, teurer und auch mehr Zeit benötigen als viele in der Wendeeuphorie mit den Bildern von Fukushima vor Augen, gedacht hatten. So lautete das Resümee eines Symposiums des Bundes der Selbstständigen in Stuttgart.

Bei der Veranstaltung in Stuttgart hatten Experten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft unter der Leitung des ehemaligen Regierungssprechers Friedhelm Ost über die Fakten und Mythen „der größten Herausforderung seit der deutschen Einheit“ (Ost) diskutiert. Rund 160 Unternehmerinnen und Unternehmer aus ganz Deutschland sowie zahlreiche Interessierte aus Politik und Wirtschaft nutzten die Gelegenheit, sich über die technischen, betriebswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Facetten der Energiewende zu informieren.

Warnung vor Kostenanstieg

Professor Fritz Vahrenholt, ehemaliger SPD-Umweltsenator und Manager von Unternehmen, die in erneuerbare Energien investieren, warnte vor der Gefahr, dass „der politische Spagat in Deutschland zwischen einem Anstieg der Kosten der Energiewende und dem politischem Druck die EEG-Umlage zu begrenzen, nicht gelingen wird.“ Er plädierte dafür, sich mehr Zeit zu lassen. Es sei gut, wenn man Vorreiter sei, aber das müsse nicht in zwei Jahren sein, mahnte der nach eigener Aussage „engagierte Verfechter erneuerbarer Energien“ zu mehr Geduld. Zu viele Probleme müssen bei der Energiewende gelöst werden. Da ist der Ausbau der Stromnetze, um den Strom aus den Windparks im Norden in den industriellen Süden zu transportieren, der voraussichtlich deutlich mehr Zeit benötigt, als geplant. „Das ist nicht ambitioniert, sondern illusorisch“, urteilte Vahrenholt.  

Besonders umstritten ist derzeit das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Während Befürwortern das EEG als weltweites Vorbild zur Förderung erneuerbarer Energien preisen, sehen Kritiker wie Arnold Vaatz das anders. Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende kommt zum Schluss, das EEG wirke umweltschädlich, sei ein Angriff auf die Mündigkeit der Bürger und gehöre als planwirtschaftliches Instrument ersatzlos abgeschafft. Mit dieser Auffassung vertritt er eine Mindermeinung in seiner Fraktion, doch auch Befürworter der Energiewende wie Vahrenholt warnen vor der großen Sprengkraft des Gesetzes in der derzeitigen Form.

Mittelstand sieht sich benachteiligt

Verbraucher und mittelständische Unternehmen nehmen mit Bauchschmerzen zur Kenntnis, dass die Energiewende ihren Preis hat. Entlastet wurden bisher vor allem die energieintensiven Großbetriebe. „Es kann nicht sein, dass die 600 größten energieverbrauchenden Unternehmen von den Kosten der Energiewende entlastet werden, während kleinere Mittelständler und Kleinverbraucher die Zeche bezahlen müssen“, kritisierte BDS-Präsident Günther Hieber. Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Joachim Pfeiffer sieht das anders. „Wir dürfen die unterschiedlichen Unternehmen nicht gegeneinander ausspielen“, warnt er und begründet seinen Standpunkt damit, dass die Unternehmen in Wertschöpfungsketten miteinander verbunden sind.

„Auch ich bin ein Befürworter der Atomkraft gewesen, aber die Problematik der Endlagerung hat mich als vierfachen Großvater sehr nachdenklich gemacht“, bekannte am Ende der Veranstaltung BDS-Präsident Günther Hieber und warnte indirekt vor der abermaligen Wende von der Energiewende. Dafür gibt es zumindest in seinem Verband auch keine Mehrheit. 60 Prozent der BDS-Mitglieder in Baden-Württemberg betrachten den Atomausstieg einer Umfrage zu Folge auch im Rückblick als die richtige Entscheidung. Nur jeder dritte der 770 befragten Mittelständler hält den Atomausstieg für falsch. 65 Prozent der Selbstständigen sind davon überzeugt, dass Windkraft, Solarstrom und andere erneuerbare Energien Atomkraft mittel- bis langfristig ersetzen können.

Schlagworte zum Thema:  Energiewende, Mittelstand, Erneuerbare Energien

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