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Studie: Fachkräftemangel wird noch unterschätzt

Engpässe bei qualifizierten Fachkräften werden in immer mehr Branchen zur Überlebensfrage, einer Studie zufolge unterschätzen viele Unternehmen das Problem aber weiterhin. "Die Lage bleibt in einzelnen Bereichen unterschiedlich", sagte der Regionalchef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Klaus Stietenroth, in Hannover.

Eine Umfrage der Universität Oldenburg unter rund 670 niedersächsischen Firmen zeige jedoch, dass vor allem Potenziale der Älteren nicht genug genutzt würden. Dabei sei die Fortbildung der über 50-Jährigen "ein entscheidender Hebel", betonte der BA-Chef.

 

Woche der Weiterbildung

Eine "Woche der Weiterbildung" mit Workshops in ganz Niedersachsen soll bis zum Samstag die Chancen älterer Beschäftigter ausloten. Bei der Einbindung der Altersgruppe in den Arbeitsmarkt hinkt Deutschland vielen Ländern nach Angaben Stietenroths weiter hinterher. Während die Erwerbsquote der Gruppe "50 plus" etwa in Schweden bei 70 Prozent liege, seien es hierzulande gerade einmal 56 Prozent. "Wenn wir eine ähnliche Entwicklung in der Bundesrepublik hätten, würde das bis zu 130.000 Fachkräfte mehr bedeuten", schätzte der BA-Experte.

 

Wahrnehmung des Problems steigt

Der Oldenburger Bildungsforscher Wolfgang Müskens warnte vor einer Verharmlosung des drohenden und vielerorts bereits eingetretenen Mangels an gut ausgebildeten Mitarbeitern. 2007 hätten in der Erhebung 9,8 Prozent der befragten Betriebe die Überalterung ihrer Belegschaft als Herausforderung eingestuft. In diesem Jahr seien es mit 21,9 Prozent mehr als doppelt so viele gewesen. Vor allem im Baugewerbe und in der Logistik steige die Wahrnehmung des Problems.

 

Ältere besser qualifizieren

"Das ist schon eine dramatische Veränderung", meinte der Wissenschaftler. Allerdings investierten diejenigen Unternehmen, die Handlungsbedarf sehen, auch stärker in entsprechende Angebote wie Fortbildungen sowie duale und berufsbegleitende Studiengänge.

Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) appellierte an die Firmen, ältere Kollegen besser zu qualifizieren: "Lebenslanges Lernen muss sein. Aber die Anzahl der Unternehmen, die das aktiv angeht, ist noch relativ gering." Die Zeiten, in denen Mitarbeiter mit Anfang 50 zum "alten Eisen" gehörten, seien angesichts der Nachwuchsprobleme vorbei: "Viele Unternehmen haben eine ganze Generation verloren."

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