24.02.2016 | Crowdinvesting

Startups dank Schwarmfinanzierung im Aufwind

Startups, die von Venture Capital Firmen mit einer Milliarde US-Dollar oder mehr bewertet werden, sind auf dieser Seite des Atlantiks relativ rar gesät.
Bild: Statista ⁄

Einen Geistesblitz haben, als Produkt umsetzen und auf den Markt bringen - was simpel klingt, ist finanziell gerade für Firmengründer häufig kaum machbar. Zur Anschubfinanzierung setzen nun immer mehr Startups auf Schwarmfinanzierung.

Die Geschäfte laufen gut, aber das reicht für eine größere Expansion nicht.  "Wir wollen raus aus der Nische, rein in den Massenmarkt", sagt Firmenchef Christopher Fuhrhop. Also braucht er Geld, um Marketing und Vertrieb auszubauen. Seine 13-Mann-Firma Restube aus Pfinztal bei Karlsruhe kam 2015 eigenen Angaben zufolge auf knapp 700.000 Euro Umsatz. Verkauft wird Rettungsgerät für Wassersportler: Eine winzige Tasche wird in Sekundenschnelle zur knallgelben Notfall-Boje. Bei der Geldbeschaffung setzt Fuhrhop nun auf "Crowdinvesting": Er sammelt von Privatanlegern noch gut einen Monat lang Geld über die Internet-Plattform Seedmatch ein. Mit dieser Finanzierungsmethode folgt Fuhrhop einem Trend, dem sich vor allem kleinere Firmen in Deutschland anschließen. Die Bandbreite der Produkte mit Finanzbedarf ist groß: Es geht um elektrische Surfboards, Ultraleicht-Flieger oder um Kaffeemaschinen, die nicht nur mahlen, sondern auch rösten.

Crowdfunding schafft Netzwerke für Startups

Häufig sind die Startups so klein, dass ihnen der Weg zu Risikokapital-Fonds verschlossen bleibe, erklärt Henry Schäfer von der Universität Stuttgart. Banken wiederum hielten Kredite für zu riskant. "Das Crowdinvesting gewinnt an Momentum und es wird weiter zunehmen", sagt der Professor. Die Kleinanleger wollten wissen, wofür genau ihr Geld genutzt wird. "Das Geld auf ihr kaum verzinstes Sparbuch tun und keine Ahnung zu haben, was die Bank wiederum mit den Einlagen macht, das reicht heute nicht mehr." Warum ausgerechnet der Schwarm helfen soll? Dank der Kampagne auf Seedmatch haben man nun nicht nur mehr als 360 Investoren, sondern auch Multiplikatoren, die sich hochmotiviert für Restube einsetzten. Er bekomme Mails von Neu-Anlegern, die ihn vermitteln wollten an Chefs von Verbänden und Sport-Events. "Plötzlich haben wir ein viel größeres Netzwerk, was uns schon jetzt enorm weiterhilft." Etwa 17.000 Bojen habe seine Firma 2015 verkaufen können, künftig sollen es deutlich mehr werden.

Investierte Summen halten sich in Grenzen

Diese Form der sozialen Interaktion hält Wirtschaftsprofessor Schäfer für ein dickes Plus bei der Schwarmfinanzierung. "Bei Startups haben wir häufig Unternehmensgründer, die autonom vor sich hinwirtschaften - durch das Crowdinvesting bekommen sie nun Signale und Feedback", sagt Schäfer. Dieses Input von außen könne gerade jungen Firmen helfen, bei denen schon kleine Fehlentscheidungen zum Totalcrash führen könnten. Zu den großen deutschen Plattformen für das Investment aus dem Schwarm zählt neben Seedmatch auch Companisto. Dessen Sprecher André Glasmacher weist auf den Werbefaktor hin: "Ein Crowdinvesting schafft eine große Öffentlichkeit und steigert die Bekanntheit des Unternehmens." Noch halten sich die investierten Summen in Grenzen. Nach einer Studie der Universität Oldenburg aus dem Jahr 2014 verdoppelt sich das Volumen jedes Jahr, dennoch lag der Anteil am gesamten Wagniskapital in Deutschland damals bei nur drei Prozent. Laut Bundesverband Crowdfunding flossen 2014 knapp 30 Millionen Euro über Investingmodelle in deutsche Firmen, jüngere Zahlen gibt es nicht.

Schlagworte zum Thema:  Startup, Crowdfunding

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