| Smartphone-Pionier

Blackberry will noch einmal durchstarten

Blackberry setzt auf die bewährte Tastatur.
Bild: Evan-Amos/Wikipedia

Der kanadische Smartphone-Pionier Blackberry, zuletzt unter ein Prozent Marktanteil gerutscht, will noch einmal neu durchstarten - und setzt dabei auf den Unternehmensmarkt und die bewährten Tatstaturen.

Der neue Blackberry-Chef John Chen vertraut auch auf die klassische Tastatur, um den angeschlagenen Smartphone-Pionier zu retten. Er habe mit vielen Kunden gesprochen, "und jeder, den ich traf, liebt die Tastaturen", sagte Chen auf dem Mobile World Congress in Barcelona. Bis zum Jahresende werde es deshalb ein zweites neues Modell mit Hardware-Tasten zur Texteingabe geben, das sich bei der Bedienung an früheren Geräten orientiere. Es heißt Q20, er ziehe aber die Bezeichnung "Blackberry Classic" vor, sagte Chen.

Positionierung mit High-End-Telefonen

Im April werde das mit Foxconn entwickelte neue günstigere Modell Z3 zunächst in Indonesien starten, sagte Chen. Es solle weniger als 200 Dollar kosten und später auch in anderen Ländern Südostasiens verkauft werden. Die Partnerschaft mit dem Auftragsfertiger Foxconn sei erst Mitte Dezember besiegelt worden, "und drei Monate später haben wir schon ein funktionierendes Telefon", betonte Chen. Foxconn ist vor allem als Hersteller von Apple-Geräten bekannt. Auch das Q20 soll bei Foxconn gebaut werden - "wenn sie es nicht zu teuer machen", scherzte Chen mit einem Wink zum anwesenden Foxconn-Gründer Terry Gou. Blackberry hatte in der Krise die eigene Produktion weitgehend aufgegeben. Er sehe die Rettung nicht im Markt für extrem günstige Geräte, betonte Chen. "Die Kunden erwarten ein High-End-Telefon von uns. 75 Dollar sind nicht unsere Preisklasse." Neue Top-Modelle seien in Entwicklung.

Zu starker Fokus auf Verbrauchermarkt

Blackberry hatte im vergangenen Jahr massiv Marktanteile verloren, nachdem ein neues Touchscreen-Modell floppte. Im Schlussquartal lag Blackberry dem Marktforscher IDC zufolge nur noch bei 0,6 Prozent beim weltweiten Smartphone-Absatz. Chen übernahm im Herbst nach hohen Verlusten die Blackberry-Führung vom einstigen Siemens-Manager Thorsten Heins. Er will das Geschäft wieder stärker auf Unternehmenskunden ausrichten und zum Ende des nächsten Geschäftsjahres Anfang 2015 schwarze Zahlen erreichen. Der zu starke Fokus auf den Verbrauchermarkt im vergangenen Jahr habe dem  Kerngeschäft geschadet, sagte Chen in Barcelona.

BBM für Unternehmenskommunikation vermarkten

Der Blackberry-Chef will auch den hauseigenen Messeging-Dienst BBM stärker für die Kommunikation in Unternehmen vermarkten. Die Aktie von Blackberry war vergangene Woche gestiegen, nachdem Facebook den Kauf des ähnlichen Dienstes WhatsApp für 19 Milliarden Dollar ankündigte. "Ich denke darüber nach, den Firmennamen von Blackberry in BBM zu ändern. Allein das würde wahrscheinlich schon den Aktienkurs steigen lassen", scherzte Chen. Unter seinem Vorgänger hatte sich die Firma in Blackberry umgenannt und den alten Namen Research In Motion aufgegeben. BBM hat aktuell 85 Millionen aktive Nutzer im Monat, bei WhatsApp sind es 465 Millionen.

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