| Schwerefeldforschung

NASA lässt Satelliten am Bodensee bauen

Die beiden Grace-Satelliten vermessen das Schwerefeld der Erde.
Bild: Astrium

Der Satellitenbauer Astrium in Immenstaad am Bodensee bekommt von der NASA 70-Millionen-Euro-Auftrag für den Bau eines neuen Satelliten-Paares.

Im März 2017 sollen die beiden Schwerefeldforschungssatelliten Grace die Werkshallen in Immenstaad verlassen und danach vom russischen Weltraumbahnhof Plesezk aus ins All geschossen werden. Die erste deutsch-amerikanischen Satelliten dieser Art, die beiden Grace-Satelliten „Tom and Jerry“, umrunden seit März 2002 im Sicherheitsabstand von rund 200 Kilometern, aber mit konstanter Geschwindigkeit von über 25.000 Stundenkilometern die Erde. Aus 500 Kilometern Höhe vermessen sie das Schwerefeld unsers Planeten und leisten damit ihren Beitrag zur Klimaforschung. Aus den Daten leiten die Wissenschaftler in Kalifornien Erkenntnisse ab über die Vorgänge im Innern der Erde, über Strömungen in den Ozeanen und Flüssen oder über die Veränderungen der Eismassen an den Polarkappen. Mit den von den ebenfalls am Bodensee gebauten Grace-Zwillingen haben die Forscher bisher genau errechnet, wie das Wasser um die Erde wandert, ob im Amazonas-Gebiet Hochwasser droht, welchen Zustand die Gletschermassen auf Grönland haben oder wie der Grundwasserspiegel in Äthiopien ist.

55.000 Erdumrundungen

Die jetzt von der NASA in Auftrag gegebenen, neuen, gerade mal drei auf zwei Meter großen Grace-FO-Satelliten, wobei FO für Follow On steht, sind mit je 580 Kilogramm Gewicht um einiges leichter. Bei ihnen sorgt eine Mikrowellenverbindung dafür, dass sich der Abstand zueinander im Tausendstel Millimeterbereich bewegt. Nachdem Tom und Jerry – 55.000 Mal haben sie seit März 2002 die Erde schon umrundet - wegen immer schlechteren Batterien den Dienst aufgeben wollen, werden deren Nachfolger wieder voraussichtlich fünf Jahre lang fliegen und dann unter anderem mit Lasermessungen ihre Arbeit vornehmen. Ihre Messungen werden alle 30 Tage ein aktualisiertes Modell des Erdgraviationsfeldes liefern.

25 Prozent der weltweiten Wetterdaten

Der Immenstaader Astrium-Standortchef Eckard Settelmeyer bedeutet der zweite Auftrag an ein nicht-amerikanisches Unternehmen nicht nur ein gewaltiges Vertrauen in sein Unternehmen, sondern auch Arbeit für bis zu 200 Ingenieure und Wissenschaftler für die kommenden fünf Jahre. Der Auftrag setze aber die Serie wichtiger Wissenschaftsmissionen mit Satelliten von Astrium fort. Im September wurde der zweite von dreien zu bauenden Wettersatelliten Metop ins All gebracht. Die Metops werden 25 Prozent der weltweiten Wetterdaten liefern. Im Orbit sind bereits zwei von vier auch bei Astrium gebauten Galileo-Satelliten, die das System bis zu fünf mal erreichbarer machen sollen, als das derzeitige GPS-System der Amerikaner. Für die Serie von europäischen Erderkundungssatelliten ist Astrium bei vier von sechs Missionen Hauptauftragnehmer. So wird eine ganze Flotte mit so genannten Sentinel die Erde beobachten. Diese Daten sind frei verfügbar und werden über den Astrium-Ableger Infoterra weiterverkauft.


Schlagworte zum Thema:  Satellit, Forschung

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