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Mehr Geld für Forschung und Entwicklung

Drei Prozent des BIP sollen in Forschung und Entwicklung fließen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Trotz massiv gesteigerter Investitionen tut sich Deutschland noch schwer, die europaweit angepeilten drei Prozent vom Bruttoinlandsprodukt für Forschung und Entwicklung abzuzweigen.

In diesem Zukunftssektor verzeichnete der Bund seit 2005 einen Ausgabenzuwachs von gut 75 Prozent, wie aus dem Bundesbericht Forschung und Innovation 2016 hervorgeht. Mehr als 600.000 Menschen sind derzeit in diesem Bereich tätig - so viele wie nie zuvor. Die jährlichen Investitionen des Bundes für Forschung und Entwicklung (FuE) stiegen demnach von 9 auf jetzt 15,8 Milliarden Euro laut Haushaltsplanung 2016. Nach Berechnungen für 2014 hätten Staat, Wirtschaft und Wissenschaft fast 84 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Insgesamt wurde ein BIP-Anteil von 2,88 Prozent erreicht, nach 2,84 Prozent im Jahr davor. "Damit ist das Ziel der Strategie Europa 2020, jährlich 3 Prozent des BIP für FuE auszugeben, nahezu erreicht." Das im Jahr 2000 vereinbarte EU-Ziel hatte der Europäische Rat 2010 für zehn Jahre fortgeschrieben. Wanka sagte, im Gegensatz zu Schweden, Südkorea oder Japan erreiche Deutschland die Marke zwar noch nicht, wirtschafte dafür aber auch "sehr solide". Auf Nachfrage gab sich die Ministerin optimistisch: "Für 2020 reden wir nicht über drei Prozent, sondern über mehr."

Innovationspotenzial im Mittelstand

Die von der Bundesregierung beauftragte Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) hatte kürzlich festgestellt, dass Deutschland etwa bei der Förderung diverser wichtiger Technologiefelder noch nicht optimal aufgestellt sei. Das Ministerium räumte ein, es gelte "ungenutzte Innovationspotenziale vor allem im Mittelstand und durch mehr Unternehmensgründungen zu aktivieren und die Gesellschaft stärker mit einzubeziehen". Auch sei die Bundesförderung inzwischen "attraktiver für kleinere und mittlere Unternehmen", sagte Wanka. "Nie gab es mehr Jobs in Forschung und Entwicklung, nie wurde hier so viel investiert", erklärte Wanka. "Die Rekorde zeigen, dass Deutschland als Innovationsstandort weiter an Leistungsfähigkeit und Bedeutung gewonnen hat. Doch der internationale Konkurrenzdruck wächst ebenfalls." Sie warnte: "Der Vorsprung kann ganz schnell schrumpfen." Um den Hightech-Standort Deutschland "auch künftig an der Weltspitze zu halten, muss die Dynamik der vergangenen Jahre unbedingt aufrechterhalten werden", so die Ressortchefin.

Gesetzesfolgen auf Innovationen abschätzen

Nach Angaben des Ministeriums tätigt Deutschland 30 Prozent aller FuE-Ausgaben in der Europäischen Union. Fünf der zehn innovativsten Unternehmen Europas kämen aus Deutschland, und auch weltweit gehöre Deutschland zu den Innovationsführern. So konnte sich Deutschland beim Export forschungsintensiver Waren steigern und befindet sich weltweit wieder an zweiter Stelle hinter China und noch vor den USA. Der alle zwei Jahre erscheinende Bundesbericht zeigt Prioritäten, Ziele und Strukturen der deutschen Forschungs- und Innovationspolitik auf und stellt diese in den internationalen Kontext. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) riet der Regierung, nicht zu viele FuE-Bremsen einzubauen: "Wie sich neue Gesetze auf Innovation und Technologien auswirken, spielt derzeit in Deutschland für den Gesetzgeber keine Rolle." Der BDI fordere daher, "dass die Politik die Abschätzung von Gesetzesfolgen auf Innovation endlich thematisiert. Nur so erhält Deutschland seine Innovationsfähigkeit und verliert international nicht den Anschluss."

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