| Bitkom

Amerikanische Schnüffeleien dämpfen Nachfrage nach Cloud-Diensten

Die NSA-Affäre belastet das Cloud-Computing.
Bild: Deutsche Telekom

Die Schnüffeleien der amerikanischen Geheimdienste haben den Unternehmen die Lust auf Dienstleistungen aus der Daten-Wolke gründlich vermiest. Ein Gutes hat die Affäre aber dennoch: Datenschutz und Datensicherheit sind zu einem wichtigen Thema geworden.

Das Interesse an Cloud-Diensten in Deutschland hat als Folge der NSA-Spähaffäre einen deutlichen Dämpfer erhalten. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Nutzung in Unternehmen nur noch um drei Prozentpunkte angestiegen, teilte der Branchenverband Bitkom mit. Ein Jahr zuvor legte die Nutzung noch um neun Prozentpunkte zu. Einer repräsentativen Umfrage der Beratungsgesellschaft KPMG zufolge nutzen derzeit 40 Prozent der Unternehmen in Deutschland Cloud-Computing-Angebote.

Ein Drittel der Unternehmen hat die Sicherheit erhöht

"Der Trend zum Cloud Computing ist ungebrochen, aber die NSA-Affäre hat dem Wachstum einem Dämpfer versetzt", sagte Bitkom-Präsident Dieter Kempf. "Die Spähaffäre hat deutliche Spuren hinterlassen." 31 Prozent der befragten Unternehmen hätten die Sicherheit ihrer Systeme deutlich erhöht. 13 Prozent hätten konkret geplante Cloud-Projekte vorerst zurückgestellt, 11 Prozent bestehende Cloud-Projekte sogar aufgegeben. Beim Cloud Computing werden Infrastruktur, IT-Anwendungen und Speicherplatz über das Netz ("die Cloud") bedarfsgerecht bereitgestellt und nach dem tatsächlichen Verbrauch abgerechnet. Die Befürworter des Cloud-Konzepts versprechen mehr Flexibilität, nahezu unbegrenzte Skalierbarkeit und niedrigere Kosten. Kritiker des Cloud-Konzeptes bemängeln vor allem Probleme beim Datenschutz.

Viele Unternehmen nutzen eine eigene Cloud

Je größer das Unternehmen, umso wahrscheinlicher würden Cloud-Dienste zum Einsatz kommen, sagte Kempf. Der Verband fasst in der Studie dabei Cloud-Angebote externer Anbieter und den Einsatz von sogenannten privaten Clouds, die die Unternehmen selbst vorhalten, zusammen. Im vergangenen Jahr haben demnach 36 Prozent der Unternehmen ab einer Größe von 20 Mitarbeitern eine private Cloud genutzt, 15 Prozent griffen auf externe Angebote der public Cloud zurück. Ein Jahr zuvor nutzen die private Cloud noch 34 Prozent, öffentliche Cloud-Angebote zehn Prozent der befragten Unternehmen.

Schutz sensibler Daten im Vordergrund

Die größten Bedenken hätten Unternehmen dabei mit 77 Prozent, dass unerlaubt auf sensible Daten zugegriffen werden könne. Die Furcht vor Datenverlust rangiere mit 45 Prozent der Angaben an zweiter Stelle. 38 Prozent der Befragten gaben an, dass sie die unklare Rechtslage bei der Nutzung von Cloud-Angeboten zurückhalte. Dass die Nachrichten über Ausspähaktivitäten internationaler Geheimdienste die Haltung des eigenen Unternehmens gegenüber öffentlichen Cloud-Angeboten verändert haben, bejahen 49 Prozent der Befragten, Konsequenzen gegenüber privaten Cloud-Diensten stellen 44 Prozent der Befragten fest. Als einen positiven Trend konstatiert Bruno Wallraf von KPMG allerdings, dass die Enthüllungen des Whistleblower Edward Snowden die Themen Datenschutz und Datensicherheit deutlich ins Bewusstsein der Unternehmen gerückt haben. "Alle müssen sich jetzt mit dem Thema beschäftigen."

>> Lesen Sie hierzu: Konzept für sicheres Cloud-Computing vorgestellt

Schlagworte zum Thema:  Cloud Computing, Bitkom, Cloud, Datensicherheit, Datenschutz

Aktuell

Meistgelesen