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Minijobs sind meist eine Sackgasse

Minijobs entwickeln sich Studien zufolge zunehmend zur Niedriglohnfalle. Vor allem Frauen und Hartz-IV-Empfänger werden dabei durchweg schlechter bezahlt als andere Beschäftigte.

Dies ergaben Untersuchungen der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung (HBS). Unternehmen nutzten Minijobs offenbar dazu, um Personalkosten zu drücken. Fast 90 Prozent der Minijobber werden demnach mit Niedriglöhnen abgespeist. Beschäftigte, die gleichzeitig Hartz IV beziehen, verdienen besonders wenig. "Die Unterschiede sind deutlich", sagte HBS-Arbeitsmarktexperte Alexander Herzog-Stein. 58 Prozent der 1,2 Millionen Beschäftigten, die weniger als fünf Euro die Stunde erhielten, arbeiteten in Minijobs.

Für HBS-Expertin Dorothea Voss sind Minijobs "ein Schlupfloch zur Umgehung gesetzlicher und tariflicher Bestimmungen". Sie sprach von einer Niedriglohnfalle. Ihre Kollegin Christina Klenner sagte, Minijobs seien - entgegen weit verbreiteter Meinung - nur für eine Minderheit von Frauen ein Hinzuverdienst. Für 3,2 Millionen Frauen sei diese Beschäftigung die einzige Erwerbsquelle. Minijobs seien auch nur in neun Prozent der Fälle eine Brücke in reguläre Beschäftigung. Im Frühjahr 2011 war den Angaben zufolge jedes fünfte Beschäftigungsverhältnis in Deutschland ein Minijob bis 400 Euro - rund 7,3 Millionen insgesamt.

Minijobber müssen selber keine Steuern und Sozialabgaben abführen, erwerben aber auch keine oder nur geringe Ansprüche an die Kranken-, Renten- oder Arbeitslosenversicherung. Aus Sicht der Wissenschaftler müssen Minijobs abgeschafft werden, da die Regelungen von den Arbeitgebern missbraucht und die Betroffenen am Arbeitsmarkt diskriminiert würden.

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