09.01.2014 | EU-Kommission

Millionenschwere Kartellstrafen gegen Autozulieferer

Die EU vermutet eine Vielzahl von Kartellabsprachen bei Zulieferern der Autoindustrie.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die EU-Kommission vermutet illegale Preisabsprachen bei fast allen Teilen, die bei der Autoherstellung gebraucht werden. Nachdem sie im Sommer schon einmal empfindliche Bußgelder gegen Autozulieferern verhängt hat, steht nun eine zweite Runde an. Der deutsche Wälzlagerhersteller Schaeffler hat deshalb gleich dreistellige Millionenbeträge zurückgelegt.  

EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia hat weitere Strafen gegen Autozulieferer wegen verbotener Preisabsprachen angekündigt. "Wir vermuten Kartelle bei fast allen Teilen, die man für ein Auto braucht. Das ist unglaublich", sagte Almunia dem Hamburger Magazin "Stern". "Ich bin sehr überrascht über die Autoindustrie." Im Laufe dieses Jahres werde es einige Entscheidungen geben, kündigte Almunia an. Der deutsche Zulieferer Schaeffler hat deswegen bereits Rücklagen in dreistelliger Millionenhöhe gebildet.

Schaeffler bildet massive Rückstellungen

Brüssel untersucht die Branche seit längerem. Bereits im vergangenen Sommer hatte die EU-Kommission wegen verbotener Absprachen bei der Lieferung von Kabelbäumen ein Bußgeld von insgesamt 141,8 Millionen Euro verhängt. Den Löwenanteil musste der japanische Konzern Yazaki mit 125,3 Millionen Euro berappen, auf den Nürnberger Zulieferer Leoni entfiel ein vergleichsweise geringer Betrag von 1,38 Millionen Euro.  Wegen des nun drohenden Bußgeldes hat der ebenfalls fränkische Zulieferer Schaeffler bereits massive Rücklagen gebildet. Seit Ende 2011 untersucht die Europäische Kommission das Geschäftsgebaren der Gruppe sowie mehrerer anderer Wälzlagerhersteller. Für 2014 erwartet Schaeffler eine Entscheidung und "geht aus heutiger Sicht davon aus, dass es zu einem Bußgeld kommen wird", wie es kurz vor Weihnachten in einer Mitteilung hieß. Entsprechend habe Schaeffler im vierten Quartal 2013 "bilanzielle Vorsorge in Höhe von rund 380 Millionen Euro" getroffen.

Leoni und Continental bleiben gelassen

Der Stuttgarter Autozulieferer Bosch sei mit den Vorwürfen der EU-Kommission ebenfalls konfrontiert, sagte ein Firmensprecher. Man kenne die Verfahren und arbeite mit den Behörden zusammen. Zu möglichen Auswirkungen auf das Unternehmen wollte er sich nicht äußern.  Keinen Anlass für die Bildung von Rücklagen sieht der Hannoveraner Zulieferer Continental. "Die Einhaltung von Compliance-Richtlinien hat bei Continental hohen Stellenwert", betonte ein Unternehmenssprecher. Ebenfalls gelassen zeigte sich Leoni: "Wir gehen Stand heute davon aus, dass wir von dieser Sache nicht betroffen sind", hieß es bei den Kabelspezialisten.  Das europäische Recht verbietet es Unternehmen, zum Schaden von Konkurrenten und Verbrauchern miteinander zu kooperieren. Bei Verstößen kann die EU-Kommission Strafgelder von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes verhängen.

 

Schlagworte zum Thema:  Kartellverstoß, Kartell, Automobilproduktion, Automotive, Autoindustrie, EU-Kommission

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