02.01.2014 | Ende der Stagnation

Metallindustrie startet mit Schwung ins neue Jahr

Der Metallbranche machen steigende Energiepreise zu schaffen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Nach einem Jahr der Stagnation startet die deutsche Metallindustrie mit viel Hoffnung ins neue Jahr. Sorgen bereiten dem Gesamtmetall-Präsident Dulger jedoch die hohen Energiepreise.

"Wir haben wieder eine optimistische Stimmung", sagte Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. "Für 2014 rechnen wir mit einem Wachstum von drei Prozent nach einer schwarzen Null 2013." Die Metall- und Elektrobranche wäre damit ein Zugpferd der deutschen Wirtschaft, der Experten insgesamt eineinhalb bis zwei Prozent Wachstum zutrauen. Dulger warnte vor zu hohen Energiepreisen in Deutschland und plädierte beim Mindestlohn für Unterschiede nach Branchen und Regionen.

Steigende Energiepreise als Branchenrisiko

"Die Stimmung in der Wirtschaft ist gut, aber die Zahlen sind noch nicht so gut", beschrieb der Gesamtmetall-Präsident die Lage. Die Kapazitätsauslastung liege derzeit branchenweit bei 84 Prozent und damit unter dem langjährigen Durchschnitt. "Bei den Auftragseingängen sieht es in diesem Jahr wieder besser aus. Das stimmt uns zuversichtlich für das vor uns liegende Jahr", sagte der 49 Jahre alte Unternehmer aus Heidelberg.  Mit Blick auf den Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung und das EU-Verfahren gegen die Befreiung von der Ökostrom-Umlage sieht Dulger steigende Energiepreise als derzeit größtes Branchenrisiko. Die Ausnahmen für energieintensive Betriebe "stehen kurz vor dem Fall", sagte der Verbandspräsident. "Das macht mir große Sorgen."

Warnung vor Arbeitsplatzabbau

Wenn die EU im nächsten Jahr die Befreiung von der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG-Umlage) als indirekte Subvention und damit als illegal einstufen sollte, müssten die betroffenen Unternehmen hohe Rückstellungen bilden. Es kämen ungeheure Kosten auf die Unternehmen zu. Manche könne das in die Pleite treiben, warnte Dulger.  "Selbst wenn sie nicht pleitegehen, wandern viele auf jeden Fall dorthin ab, wo Energie billiger ist", das heißt, sie verlagerten Produktion ins Ausland. Dann hätte das auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. In der Metall- und Elektroindustrie arbeiten rund 3,7 Milionen Menschen. "Seit März 2010 wurden knapp 280.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, obwohl die Produktion immer noch unter dem Vorkrisenniveau liegt", sagte Dulger.

Intelligente Lösungen statt Ideologie

Für den Gesamtmetall-Präsidenten kann die Reform der Energiewende in Deutschland "nicht weit genug gehen und kann auch nicht deutlich genug ausfallen. Dem Preisanstieg für Energie muss dringend ernsthaft und wirkungsvoll gegengesteuert werden." Diese Riesenaufgabe sei bisher nur unzureichend koordiniert in Angriff genommen worden.  "Regenerative Energien müssen wettbewerbsfähig werden. Wenn das nicht zu schaffen ist, dann müssen wir das einsehen und aufhören, sie so zu subventionieren. Wir brauchen intelligente, bezahlbare Lösungen und keine Ideologie", forderte der Unternehmer. "Wenn die Energiewende so weiterläuft wie bisher, wird sie scheitern."

Für differenzierbaren Mindestlohn

Die geplante Einführung eines bundesweiten Mindestlohns von 8,50 Euro sieht Dulger kritisch. "Es betrifft unsere Beschäftigten nicht. Wir liegen im Lohnniveau weit darüber. Aber es betrifft zum Teil unser Lieferantenumfeld, vor allem bei Dienstleistungen, die wir zukaufen." Der Verbandschef setzt sich für einen differenzierbaren Mindestlohn ein: "Ein Mindestlohn sollte regional anpassbar sein - und das Gleiche gilt auch für Branchen." Er "habe die Sorge, dass bei einem flächendeckenden Mindestlohn die Einstiegsmöglichkeiten für Unqualifizierte und gering Qualifizierte schlechter werden."

Schlagworte zum Thema:  Konjunktur, Energiekosten, Energieintensive Unternehmen, Mindestlohn, Auftragseingang, Metallindustrie

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