| Die Zukunft des Lieferverkehrs

Kommt ein Paket geflogen...

Die Post hat selbst die Initiative ergriffen und baut in Aachen eigene elektrische Lieferwagen.
Bild: Deutsche Post

Lieferwagen, die automatisch beladen werden; Drohnen, Roboter und Lastenräder, die vom Transporter aus ausschwärmen wie von einem Mutterschiff oder Autos, deren Kofferräume zur Paketstation werden. Paketdienste, Händler und nun auch die Autobranche tüfteln an neuen Ideen, wie die dank des Booms von Online-Handel und Lieferdiensten wachsende Zahl von Paketen und Lieferungen zu den Menschen gelangen könnte.

Allein im Jahr 2015 sind gut 1,24 Milliarden Sendungen nur an private Haushalte geliefert worden - insgesamt waren es 2,3 Milliarden. Der Autobauer Daimler kündigte an, eine halbe Milliarde Euro in neue Ideen rund um Transporter und Lieferdienste stecken zu wollen. Doch wie wird der Lieferverkehr der Zukunft aussehen? Vor allem elektrisch, heißt es in der Branche. "Elektromobilität ist das Basiskonzept", betont Boris Zimmermann, Professor für Logistik an der Hochschule Fulda. Denn der Innenstadtverkehr werde sich angesichts des anhaltenden Booms des Online-Handels vervielfachen. Das Umweltministerium hat die blaue Plakette zwar zunächst auf Eis gelegt, trotzdem denken auch deutsche Großstädte über Diesel-Fahrverbote nach. Und die viel diskutierte Reichweite der Elektrofahrzeuge? Im innerstädtischen Lieferverkehr kein Problem, heißt es bei Paketdienstleistern: 50 bis 100 Kilometer pro Tag reichten völlig aus.

Ein klassisches Innovationsdilemma

Doch bislang gibt es kaum Lieferwagen mit Elektroantrieb zu kaufen. "Das ist ein klassisches Innovationsdilemma", sagt Andreas Schumann vom Bundesverband Kurier-Express-Post-Dienste. 2012 hatte Daimler einen Transporter mit E-Antrieb auf den Markt gebracht, das Angebot aber mangels Nachfrage eingestellt. "Unsere Kunden rechnen mit spitzem Bleistift, die Kosten waren damals zu hoch", erklärte Daimlers Van-Chef Volker Mornhinweg. Nun deutete er entsprechende Ankündigungen für die IAA Ende September an.

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Auch Konkurrent Volkswagen hat bislang nur seinen Kleinwagen Up als Lieferwagen mit Elektromotor umgebaut, mit entsprechend begrenztem Laderaum von einem Kubikmeter.

Mikrodepots und kleine Verteilzentren

Die Post hat deshalb selbst die Initiative ergriffen und baut in Aachen eigene elektrische Lieferwagen. Doch die Möglichkeit sieht nicht jeder. "Wir sind stark auf die Industrie angewiesen", sagt ein Sprecher des DHL-Konkurrenten Hermes. Der Lieferdienst UPS lässt selbst Lieferwagen auf E-Antrieb umrüsten. Dabei werden für den städtischen Lieferverkehr längst andere Konzepte diskutiert. Zukunftsträchtig seien etwa Mikrodepots, kleine Verteilzentren, von denen aus Lastenfahrräder mit kleineren Ladungen in Innenstädte ausschwärmen, sagt Marten Bosselmann vom Bundesverband Paket und Expresslogistik. Auch von autonom fahrenden Anhängern, die Paketboten auf dem Fuße folgen, sei die Rede, so Logistikprofessor Zimmermann. Den Einsatz von Drohnen, mit dem der Online-Händler Amazon für Schlagzeilen sorgte und den die Deutsche Post für abgelegene Gebiete in den Alpen bereits getestet hat, hält Bosselmann hingegen vor allem in Ballungsräumen für nicht praktikabel. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Rechtsrahmen so liberalisiert wird."

Schlagworte zum Thema:  Lieferung, Paketdienst, Zustellung, Lieferantenkette

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