23.10.2012 | SPD und Gewerkschaften

Kurswechsel in der Industriepolitik gefordert

Deutschland hat einen hohen Anteil von Industriearbeitsplätzen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Sozialdemokraten und Gewerkschaften plädieren gemeinsam für einen Richtungswechsel in der europäischen Wirtschaftspolitik.

Grundlage einer Erneuerung müsse eine starke industrielle Basis mit hochwertigen Dienstleistungen sein, heißt es in einem in Berlin vorgestellten Memorandum. "Wir brauchen in der Industriepolitik eine stärkere Koordinierung in Europa", sagte der designierte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Davon hänge der künftige Wohlstand des ganzen Kontinents ab. Die Politik solle dabei nicht in Unternehmensentscheidungen hineinreden - sie könne aber einen Rahmen dafür schaffen.

Hoher Anteil an Industriearbeitsplätzen 

Nach Ansicht von SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier steht Deutschland mit seinem hohen Anteil an Industriearbeitsplätzen derzeit auch deshalb so gut da, weil man Ratschlägen nicht gefolgt sei, eine reine Dienstleistungsgesellschaft zu werden. "Wir haben weiter, wie wir das gut können, Waschmaschinen, Schrauben, Dübel, Maschinen und Autos gebaut - mit großem Erfolg." Das sagte Steinmeier auf einer Tagung des von der SPD initiierten Europäischen Industrieforums, an dem auch der französische Wirtschafts- und Finanzminister Pierre Moscovici sowie Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche teilnahmen.

Auf reale Werte setzen 

In dem von Steinmeier sowie den beiden Gewerkschaftsvorsitzenden Berthold Huber (IG Metall) und Michael Vassiliadis (IG BCE) verfassten Konzept wird die Rückkehr zu einem Wachstum empfohlen, das wieder auf reale Werte statt auf fiktive Finanzvermögen setzt. Konkret wird vorgeschlagen, Leitmärkte wie den Auto- und Flugzeugbau und die Entwicklung einer innovativen Bahntechnik gezielt auszubauen. Eine Schlüsselrolle für viele Megatrends in der Welt komme immer stärker auch der Chemie- und Pharmaindustrie zu. Ziel in der Energiepolitik müsse der gemeinsame Binnenmarkt für Strom und Gas sein.

Industriesektor hat an Bedeutung gewonnen 

Der traditionell starke Industriesektor in Deutschland hat laut einem Zeitungsbericht sogar noch an Bedeutung gewonnen. Europas größte Volkswirtschaft habe dem Anteil der Industrie an der Wertschöpfung in den vergangenen 15 Jahren gehalten und zuletzt sogar gesteigert, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" unter Berufung auf eine Studie für das Bundeswirtschaftsministerium. Im vergangenen Jahr lag der Anteil demnach bei rund 23 Prozent, während er in Italien zuletzt 16 Prozent, in Spanien 13 Prozent und in Frankreich und Großbritannien nur rund 10 Prozent betragen habe.

Gerade die Exportstärke der deutschen Industrie sei ein Grund, dass das Land bisher die Wirtschaftskrise gemeistert habe. Auch in den kommenden Jahren seien die Standortbedingungen als gut bis sehr gut zu beurteilen, schreibt die Zeitung unter Berufung auf die Studie.

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