17.10.2012 | Insolvenzen

Konjunkturflaute treibt wieder mehr Firmen in die Pleite

Die Konkunkturschwäche sorgt für mehr Firmenpleiten.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

In Deutschland rutschen wieder mehr Betriebe in die Pleite. Die Insolvenzverwalter sehen vor allem Industriebetriebe vor wachsenden Problemen, die schwachen Exporte in den Euroraum auszugleichen.

Die abflauende Konjunktur reißt wieder mehr Unternehmen in Deutschland in die Pleite. Im Juli 2012 meldeten die deutschen Amtsgerichte 2.580 Unternehmensinsolvenzen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden berichtete. Das sind 1,9 Prozent mehr als vor einem Jahr. Dank des guten Jahresstarts mussten von Januar bis Juli mit gut 17.000 Unternehmen zwar 2,2 Prozent weniger den Gang zum Amtsgericht antreten als im Vorjahreszeitraum. Der Trend könnte sich angesichts der Rezession im Euroraum aber umkehren. Dies fürchten jedenfalls die deutschen Insolvenzverwalter. Sie erwarten, dass sich die Zahl der Firmenpleiten zum Jahresende hin weiter erhöhen wird. Der schwächelnde Export in die Eurozone werde schon bald Folgen haben, sagte der Vorsitzender des Insolvenzverwalterverbands VID, Christoph Niering.

Erste Automobil-Zulieferer betroffen 

Gefährdet sei vor allem die Industrie: "Bei den geringen Margen in vielen Schlüsselbranchen sind die finanziellen Reserven schnell verbraucht." Dies zeige sich etwa bei den jüngsten Insolvenzen in der Solarbranche und der Werftenindustrie. Der stetige Rückgang der Autozulassungen in Europa werde zudem vor allem die Automobilzulieferer treffen, sagte Niering: "Selbst weltweit operierende Automobilhersteller überbieten sich derzeit mit Rabatten, um die inländische Nachfrage anzukurbeln. Bereits jetzt haben erste Zulieferer den Gang zum Insolvenzgericht antreten müssen."

Konjunkturelle Seitwärtsbewegung 

Anders als in vielen Partnerländern ist die Konjunktur in Deutschland bisher robust. Führende Forschungsinstitute rechnen für 2012 mit 0,8 Prozent Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt, im kommenden Jahr erwarten sie ein Plus von 1,0 Prozent. Die Deutsche Bundesbank sieht im Winterhalbjahr eine konjunkturelle Seitwärtsbewegung. Vorrübergehend könnte die weltweite Unsicherheit Deutschland aber auch stärker zusetzen. Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen prophezeit: "Die deutsche Wirtschaft dürfte im vierten Quartal schrumpfen."

Schlagworte zum Thema:  Insolvenz, Konjunktur

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