19.07.2016 | Konjunktur-Doping

Der chinesische Drache schwächelt

Besonders beunruhigend ist die hohe Zahl fauler Kredite in den Bilanzen von Chinas Banken.
Bild: Haufe Online Redaktion

Noch zu Beginn des Jahres hatten Sorgen um Chinas Wirtschaft die weltweiten Finanzmärkte ins Schlingern gebracht. Inzwischen ist Ruhe eingekehrt. Wenn auch das Wirtschaftswachstum mit 6,7 Prozent im zweiten Quartal weiter vergleichsweise gering bleibt: Eine weitere Verlangsamung sei ausgeblieben, teilten die Behörden in Peking mit.

Schon im ersten Quartal war die Wirtschaft mit dieser Rate gewachsen. Während die Stabilisierung Experten überrascht hat, passt sie perfekt zum Fünfjahresplan der kommunistischen Führung. Ist also alles wieder gut? Nein, warnen Ökonomen, denn auf den zweiten Blick sieht das Bild schlechter aus. Und die Regierung habe sich das Wachstum teuer erkauft - mit allen Risiken und Nebenwirkungen.

Wachstum nach Vorschrift?

In Wahrheit sehe vieles viel düsterer aus, meinen Experten. Nicht nur zweifeln sie die offiziellen Zahlen zur Wirtschaftsleistung an - Wachstum nach Vorschrift, das klingt verdächtig. Viel wichtiger: Andere Daten, die besseren Aufschluss mit Blick nach vorn geben, zeichnen ein trübes Bild. Internationale Finanzexperten seien laut einer Umfrage zu China wieder pessimistischer geworden, sagen Volkswirte vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). "Eine kommende konjunkturelle Schwächephase lässt sich vor allem an den weiter gesunkenen Erwartungen zu den Exporten ablesen", so die Ökonomen.

Deutlich nachgebender Binnenkonsum

Und diese Erwartungen haben sich nach Zahlen vom Mittwoch einmal mehr bestätigt: Die chinesischen Exporte sind im Juni um 4,8 Prozent gesunken. Schon seit 2015 sind die Exporte fast durchgängig rückläufig. Zwar spiegelt diese Entwicklung auch wieder, dass sich Chinas Wirtschaft in einem grundsätzlich gesunden Umbauprozess befindet, weg vom Lieferanten von Billigware für den Rest der Welt, hin zu einer stärker auf den Binnenmarkt konzentrierten Wirtschaft. Das Problem ist nur: Auch vom Binnenmarkt kommen Signale der Schwäche. Denn auch die Importe sind im Juni erneut um 8,4 Prozent eingebrochen. "Dies zeugt von einem deutlich nachgebenden Binnenkonsum", sagt Stefan Große, Experte bei der Landesbank Nord/LB. Und der Trend hält schon lange an. Seit November 2014 sind die Importe kontinuierlich zurückgegangen, teilweise sogar deutlich stärker als zuletzt.

Peking hält kriselnde mit billigen Krediten über Wasser

Bei genauem Hinsehen bröckelt daher das Bild von der Stabilisierung der chinesischen Wirtschaft. Besonders bedenklich ist dabei, dass selbst der wenig berauschende Status Quo nur mit starkem Konjunktur-Doping erreicht werden konnte, das die kommunistische Führung der Wirtschaft verabreicht hat. Und die Risiken dieses Dopings sind groß. Denn schon lange hält Peking kriselnde Unternehmen mit billigen Krediten über Wasser. Von "Zombie-Firmen" sprechen Experten. Die Folge sind immense Überkapazitäten und ein immer weiter steigendes Kreditvolumen. Allein im Juni erhöhte sich die Kreditvergabe im Vergleich zum Vorjahr um umgerechnet 14 Milliarden Euro. Die jüngste Wachstumsrate sei "fast ausschließlich durch eine rapide Ausweitung von Krediten erreicht", sagte Christopher Balding von der HSBC Business School in Shenzhen.

Schlagworte zum Thema:  China, Wirtschaftswachstum, Konjunktur

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