| KfW/ZEW-CO2-Barometer

EU-Emissionshandel schreckt Unternehmen nicht ab

Der Emissionshandel ist nach Ansicht von Experten eine stumpfe Waffe bei der Reduzierung des Co2-Ausstoßes in Unternehmen.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Das aktuelle CO2-Barometer von KfW/ZEW zeigt, dass die befragten Unternehmen den Kostenbelastungen durch das Europäische Emissionshandelssystem (EU-EHS) bei ihren Standortentscheidungen einen deutlich geringeren Stellenwert beimessen als weithin angenommen.

Dies geht aus einer Pressemitteilung der KfW Bankengruppe, Frankfurt, hervor. Zwar investierten die emissionshandelsverpflichteten deutschen Unternehmen zunehmend auch außerhalb Europas, suchten aber vor allem die Nähe zu den dortigen Absatzmärkten. „Die direkten Kosten der klimapolitischen Regulierung wirken sich derzeit kaum auf Produktions- und Investitionsentscheidungen aus, da die CO2-Preise niedrig sind und eine hohe Zuteilung freier Zertifikate stattgefunden hat. Der Emissionshandel hat bisher die Unternehmen nicht aus Europa vertrieben. Die Thematik wird jedoch in Zukunft vor dem Hintergrund des erwarteten Preisanstiegs und der geplanten Auktionierung der Zertifikate wieder an Bedeutung gewinnen“, sagt Prof. Dr. Andreas Löschel, Leiter des Forschungsbereichs „Umwelt- und Ressourcenökonomik, Umweltmanagement“ beim ZEW in Mannheim. 

Zwar haben bisher 71 Prozent der befragten Unternehmen Investitionen getätigt oder Eingriffe in den Produktionsprozess vorgenommen, die zu einer Reduktion ihres CO2-Ausstoßes geführt haben. Die eigentlichen Ziele dieser Maßnahmen waren jedoch die Senkung der Energie- und Rohstoffkosten sowie die Erschließung allgemeiner Effizienzpotenziale. Nur neun Prozent der Unternehmen haben Maßnahmen durchgeführt mit dem expliziten Ziel, den CO2-Ausstoß zu mindern. Dies ist insbesondere dem derzeit historisch niedrigen Preisniveau bei den Emissionsrechten geschuldet. Erst zum Ende der dritten Handelsperiode im Jahr 2020 steigen die Zertifikatepreise nach Ansicht der befragten Experten wieder auf mehr als 20 Euro. 

„Nach heutigem Stand sind die vom Emissionshandel ausgehenden Vermeidungsanreize kurz- bis mittelfristig völlig unzureichend. Daran würde auch die von der EU-Kommission vorgeschlagene Verschiebung bereits geplanter Zertifikateversteigerungen nichts ändern. Wichtig ist eine angemessene dauerhafte zusätzliche Reduzierung der zulässigen Emissionsobergrenze. Anderenfalls besteht die Gefahr, dass das Instrument Emissionshandel in der EU auf absehbare Zeit weitgehend wirkungslos bleibt“, sagt Dr. Norbert Irsch, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe.

Schlagworte zum Thema:  CO2-Zertifikat, Energiekosten, KfW

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