31.10.2013 | KfW-Umfrage

Der Jobmotor Mittelstand stottert

KMU investieren trotz niedriger Zinsen weniger.
Bild: Haufe Online Redaktion

Der deutsche Mittelstand hat die Krisen der vergangenen Jahre relativ gut gemeistert. Doch die Umsätze wachsen langsamer, vor allem die ganz kleinen Betriebe leiden. Die KfW warnt: Der Jobmotor Mittelstand stottert, immer mehr Unternehmen leben von der Substanz.

Die Konjunkturflaute im Euroraum hat nach einer KfW-Umfrage das Wachstum des deutschen Mittelstands gebremst. Die kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland seien zwar vergleichsweise gut durch die Krisen der letzten Jahre gekommen, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner bei der Präsentation einer repräsentativen Umfrage unter Mittelständlern in Frankfurt. Dies habe aber Kraft gekostet: "Besonders die Entwicklung von Profitabilität und Eigenkapitalausstattung bei den Kleinen gibt Anlass zur Sorge."

Teile des Mittelstands leben von der Substanz 

Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, seien Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen wahrscheinlich. Für 2014 und 2015 erwarteten die meisten Mittelständler keine Verbesserung ihrer Lage. Insgesamt sieht Zeuner Sand im Getriebe: "Die positive, aber gedämpfte Entwicklung setzt sich fort." Nach den Zahlen haben die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ihren Umsatz im vergangenen Jahr zwar um 2,4 Prozent erhöht. Im Vorjahr lag dieser Wert jedoch noch bei 8,4 Prozent, wie Experten der staatseigenen Förderbank hervorhoben. Umsatzrendite und Eigenkapitalquote seien zwar insgesamt stabil geblieben, sie sanken aber bei kleinen Betrieben mit weniger als zehn Mitarbeitern deutlich. "Das erhöht die Krisenanfälligkeit", erklärte Studienautor Michael Schwartz. Zeuner betonte: "Das KfW-Mittelstandspanel zeigt: Teile des deutschen Mittelstands leben auch von der Substanz."

Zahl der Erwerbstätigen leicht gesunken 

Zudem nahm zwar die Zahl der Vollzeitbeschäftigten um zwei Prozent zu. Da gleichzeitig die Teilzeitbeschäftigung um 15 Prozent abgebaut wurde, nahm erstmals seit sechs Jahren die Zahl der Erwerbstätigen im Mittelstand ab - wenn auch nur leicht um 0,3 Prozent auf 28,1 Millionen. "Der Jobmotor Mittelstand beginnt zu stottern, der Beschäftigungsaufbau 2012 wurde nicht mehr vom Mittelstand mitgetragen", sagte Zeuner. Der gesamtwirtschaftliche Zuwachs an Erwerbstätigen 2012 von rund 500.000 Menschen sei vollständig auf Großunternehmen und den öffentlichen Sektor entfallen. Trotzdem beschäftigten die 3,64 Millionen Mittelständler noch immer 67 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland.

Schere zwischen Kleinen und Großen geht weiter auf  

Verunsichert durch die ungelöste Euro-Schuldenkrise stellten auch die KMUs Investitionen zurück - und das trotz des historisch guten Kreditzugangs samt extrem niedriger Zinsen. Die Investitionsausgaben sanken nach den Angaben 2012 um 2,4 Prozent auf 191 Milliarden Euro. Nur noch 41 Prozent der Mittelständler habe überhaupt investiert (minus 2 Prozentpunkte), betonte Zeuner: "Dabei geht die Schere zwischen kleinen und großen Unternehmen weiter auf." 2014 dürften die Investitionen aber wieder leicht anziehen.

Das KfW-Mittelstandspanel ist nach den Angaben die einzige jährliche repräsentative Erhebung im deutschen Mittelstand. Darin befragt die KfW seit 2003 Betriebe mit bis zu 500 Millionen Euro Umsatz. An der aktuellen Erhebung beteiligten sich 11.400 Firmen.

 

Schlagworte zum Thema:  Mittelstand, Mittelständische Unternehmen, KMU, Konjunktur, KfW-Bank

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