23.05.2013 | KfW-Bank

Unternehmensgründungen auf dem Tiefpunkt

Ende des Gründungsbooms: Viele scheuen davor zurück, sich als Dienstleister selbstständig zu machen.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die Gründerstimmung in Deutschland ist verflogen: 2012 haben sich so wenige Menschen selbstständig gemacht wie seit mindestens 2000 nicht mehr. Die Förderbank KfW nennt die Entwicklung "besorgniserregend".

Die Konjunktur ist mau, zugleich sinkt die Arbeitslosigkeit: Diese Wirtschaftslage ist Gift für Firmengründer. Denn die einen haben einen sicheren Job und müssen nicht, andere trauen sich wegen fehlender Konjunkturimpulse nicht, ihr eigener Chef zu werden. Die Folge: In Deutschland wagen immer weniger Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit. Im vergangenen Jahr gründeten nur 775.000 Menschen eine Firma im Voll- oder Nebenerwerb - sieben Prozent weniger als 2011 und so wenige wie nie seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2000, wie die staatliche Förderbank KfW in Frankfurt mitteilte.

Entwicklung senkt den Beschäftigungseffekt 

"Der Rückgang der Gründungstätigkeit ist besorgniserregend, denn Gründer helfen unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und Arbeitsplätze zu schaffen", sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Die KfW betont: Durch Konkurrenz zu bestehenden Unternehmen fördern Existenzgründer Innovationen und Strukturwandel. Die Entwicklung senkt auch den Beschäftigungseffekt: Freiberufler und Jungunternehmer schufen 2012 insgesamt 383.000 Vollzeitstellen - 14 Prozent weniger als 2011 und so wenige wie nie seit Beginn dieser Berechnungen 2005. Davon entfielen 171.000 Stellen auf Mitarbeiter.

Ein Viertel ist nach drei Jahren verschwunden 

Die gute Situation am Arbeitsmarkt habe nicht nur die Anreize gesenkt, in die Selbstständigkeit einzutreten. Gleichzeitig habe sich für Gründer die Suche nach guten Mitarbeitern erschwert, berichtete die KfW: Denn im Zweifel würden Arbeitnehmer die Sicherheit und die höhere Entlohnung in einem etablierten Unternehmen dem Risiko bei einer neuen Firma vorziehen. Schließlich sind nach nur drei Jahren im Schnitt 25 Prozent der Jungunternehmen wieder verschwunden. Trotzdem: Die Tendenz ist aus Sicht der KfW alarmierend: 2011 hatten noch 835.000 Menschen den Traum realisiert, im Voll- oder Nebenerwerb ihr eigener Chef zu werden, 2010 sogar 941.000. Schon das waren wesentlich weniger als zum Höhepunkt des Gründungsbooms 2001: Damals hatten mehr als 1,5 Millionen Menschen einen Imbiss oder Friseursalon eröffnet oder sich als Erzieher, Tagesmutter, Berater oder freier Journalist für die Selbstständigkeit entschieden.

Restriktive Förderung durch die BA 

Derzeit ist Besserung nicht in Sicht. "Für 2013 gehen wir davon aus, dass die Zahlen in etwa auf dem Niveau von 2012 bleiben", gibt sich Zeuner wenig zuversichtlich. Denn die KfW hat noch einen entscheidenden Grund dafür ausgemacht, dass sich immer weniger Menschen selbstständig machen: Die restriktivere Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit. Die expansive Förderpolitik der Bundesagentur aus den Jahren der Ich-AG von 2003 bis 2006 ist ohnehin längst Schnee von gestern. Doch bis Ende 2011 zahlte die BA Menschen, die sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig machten, noch automatisch einen Gründungszuschuss von anfangs monatlich 300 Euro. Vorrübergehend wurde zusätzlich das Arbeitslosengeld I ausbezahlt.

Gründungen aus Arbeitslosigkeit um ein Drittel gesunken 

Seither entfiel der Rechtsanspruch auf den Zuschuss. Die Auszahlung liegt nun im Ermessen der Arbeitsagentur, weil das Bundesministerium für Arbeit die Handbremse zog: Statt mit der Gießkanne Gelder zu verteilen, müssen BA-Experten Geschäftskonzept und persönliche Eignung der Gründer" unter die Lupe nehmen. Ein erklärtes Ziel: Der Haushalt der BA soll entlastet werden. Die Rechnung ging auf, aber die Folgen sind enorm: 2011 hatte die BA nach eigenen Angaben noch 133.800 Gründungszuschüsse bewilligt, 2012 nur noch 20 300. Die ausgezahlte Fördersumme fiel von 1,7 Milliarden Euro auf 0,9 Milliarden Euro, sagte eine BA-Sprecherin. Und: Die Zahl der Menschen, die sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig machten, sank 2012 um fast ein Drittel (32 Prozent).

Verdienst auf Niedriglohnniveau 

Generell verlangt der Schritt aber auch eine gehörige Portion Mut - und den Willen, viel Zeit aufzubringen. Immer mehr Menschen schrecke die Bürokratie ab, andere das finanzielle Risiko oder die Arbeitsbelastung, betonte die KfW. Denn Selbstständige haben zwar ein etwas höheres Durchschnittseinkommen als Arbeitnehmer. Sie arbeiten im Schnitt aber auch zehn Stunden mehr pro Woche. Das ernüchternde Ergebnis: Der Verdienst pro Stunde liegt oft auf Niedriglohnniveau.

 

Schlagworte zum Thema:  Existenzgründung, Freiberufler, KfW-Bank, Bundesagentur für Arbeit, KfW

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