13.05.2011 | Wirtschaft & Märkte

IWF: Deutschland bleibt Europas Zugpferd

Angetrieben von der starken deutschen Konjunktur wird sich der Aufschwung in Europa fortsetzen. In seiner in Frankfurt veröffentlichten Frühjahrsprognose sagt der Internationale Währungsfonds (IWF) für Europa insgesamt ein Wachstum von 2,4 Prozent in diesem und von 2,6 Prozent im kommenden Jahr voraus. Die hoch verschuldeten Krisenländer Griechenland und Portugal stecken vorerst aber weiter in der Rezession - wobei der IWF zumindest Athen zutraut, 2012 wieder zu wachsen.

Die Wirtschaft im Euroraum wird mit 1,6 Prozent in diesem und 1,8 Prozent im kommenden Jahr langsamer zulegen als in Europa insgesamt. Dabei bleibt Deutschland mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,5 Prozent in diesem und 2,1 Prozent im kommenden Jahr die Konjunkturlokomotive.

Inflationsrate deutlich über zwei Prozent

Als Wachstumsbremse könnten sich die anziehenden Preise entpuppen. "Nach Auffassung des EZB-Rats besteht weiterhin ein Aufwärtsdruck auf die Gesamtinflation, der zum Großteil auf die Preisentwicklung bei Energie und Rohstoffen zurückzuführen ist", schreibt die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrem Monatsbericht. Die Inflationsrate dürfte demnach auch in den kommenden Monaten deutlich über zwei Prozent liegen.

Jahresteuerung steigt auf 2,7 Prozent

Die EZB strebt mittelfristig eine Rate von knapp unter zwei Prozent an. Im März war die Jahresteuerung aber auf 2,7 Prozent und im April auf 2,8 Prozent geklettert. Die Notenbanker reagierten. Sie erhöhten den Leitzins leicht auf 1,25 Prozent und deuteten weitere Zinsschritte an.

Weiterhin Aufwärtsrisiken

Kurzfristig sieht die Notenbank weiterhin Aufwärtsrisiken, die sich aus den Auswirkungen der Spannungen in Nordafrika und im Nahen Osten auf die Entwicklung der Ölpreise ergeben. Zudem könne das kräftige Wirtschaftswachstum in Schwellenländern, aber auch in einigen Euroländern wie Deutschland zu einem weiteren Anstieg der Rohstoffpreise führen.

Geldpolitische Zügel nicht anziehen

Die IWF-Experten ermahnten die Notenbanken hingegen, die geldpolitischen Zügel nicht zu sehr zu straffen. Das könne die Konjunkturerholung gefährden. Der Währungsfonds hält die aktuellen Inflationsrisiken für überschaubar, der starke Anstieg bei Nahrungsmittel- und Energiepreisen sei nur vorrübergehend.

Gefahr für die Konjunktur

"Die Hauptbotschaft unseres Ausblicks ist: Wir sind zuversichtlich. Europa geht es insgesamt gut", sagte IWF-Europa-Direktor Antonio Borges. Ob sich die positiven Prognosen realisieren, hänge allerdings entscheidend davon ab, ob die Spannungen in den hoch verschuldeten Euroländern und im Finanzsektor überwunden werden können. Als Gefahr für die Konjunktur wertet der IWF die Verquickung der Finanzsysteme: "In den Büchern der Banken in den Kern-Euroländern schlummern riesige Risiken. Ein Vertrauensschock könnte sich blitzschnell über ganz Europa ausbreiten."

Tiefgreifende Strukturreformen

Für die Regierungen blieben starke nationale Haushaltspolitiken "die beste Verteidigungslinie, um Vertrauen zurückzugewinnen", erklärte der Währungsfonds, der mit Hunderten Milliarden am Euro-Rettungsschirm beteiligt ist. Die Experten fordern tiefgreifende Strukturreformen, um ein solides Wachstum zu schaffen. Das sei das beste Gegenmittel bei hoher Arbeitslosigkeit und sinkendem Lebensstandard. Aus Sicht des IWF kann die EZB den Weg der Krisenländer aus der Rezession vorerst mit Niedrigzinsen begleiten.

Kurzfristig seien die Wachstumsaussichten für Griechenland, Irland und Portugal trüb: "Aber die Hilfspakete, die jetzt greifen, beinhalten Maßnahmen, die die Anpassung abfedern und mittelfristig wieder zu Wachstum führen."

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