17.01.2012 | Wirtschaft & Märkte

IW: Exporterfolge nicht auf Kosten der Löhne

Niedrige Lohnstückkosten sind nach Ansicht des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln nicht der maßgebliche Faktor für die Exporterfolge der Bundesrepublik. In einer Analyse kommt das IW zu dem Ergebnis, dass Deutschland bei den Lohnstückkosten der Industrie zwar besser dastehe als die übrigen Länder der Eurozone, aber im Vergleich zu den USA und Japan zurückgefallen sei.

„Die Exportstärke der deutschen Industrie erklärt sich vor allem durch die Qualität ihrer Produkte und die Kundenorientierung der Unternehmen“, sagte IW-Direktor Michael Hüther in Berlin. Er wies die These zurück, Deutschland habe in den vergangenen Jahren zulasten seiner Nachbarn zu stark auf die Lohnbremse getreten.

Das IW analysierte die internationale Entwicklung der Lohnstückkosten des verarbeitenden Gewerbes seit 1991. Unter den Lohnstückkosten versteht man den Quotienten aus Arbeitnehmereinkommen und dem Wert aller Güter eines Wirtschaftszweiges (hier: der Industrie) oder einer Volkswirtschaft.

Der Studie zufolge stiegen die industriellen Lohnstückkosten Deutschlands nach der Wiedervereinigung bis 1996 stärker als im übrigen Euroraum. Danach sanken sie bis 2007, und zwar beschleunigt von 2002 an. In der Krise 2008 und 2009 ging es wieder rasant nach oben, weil die Unternehmen trotz Produktionseinbruchs nur wenig Mitarbeiter entließen.

Im gesamten Zeitraum 1991 bis 2010 erhöhten sich laut IW die Lohnstückkosten in Deutschland um 13 Prozent, im Rest der EU um 16 Prozent. Bei den wichtigsten ausländischen Konkurrenten Euro-15 (ohne Deutschland und Irland) USA, Japan, Kanada, Südkorea, Australien, Norwegen) kletterten sie lediglich um zwei Prozent.

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