19.01.2016 | Ende der Sanktionen

Deutsche Wirtschaft wittert Milliarden-Geschäfte mit Iran

Die Exporte in den Iran könnten bis auf 10 Milliarden Euro steigen.
Bild: MEV-Verlag, Germany

Fast ein ganzes Jahrzehnt war der Iran weitgehend vom Weltmarkt abgeschottet. Nun ist geschehen, was junge Iraner und Firmen aus Deutschland gleichermaßen lange erhofft hatten - die Sanktionen gegen Teheran fallen.

Diesem Moment haben viele Menschen im Iran, aber auch deutsche Unternehmen und Politiker lange entgegengefiebert: Nach jahrelanger Abschottung wegen der Atom-Sanktionen darf Teheran wieder weltweiten Handel treiben und seine Wirtschaft öffnen. Nicht zuletzt die Deutschen, die vor dem Erlass der Zwangsmaßnahmen infolge des iranischen Nuklearprogramms einer der wichtigsten Partner des Schwellenlandes waren, erwarten Milliarden-Geschäfte. Aber wie rasch kann der Riesenmarkt zum Nutzen beider Seiten erschlossen werden? Eines ist klar: Der ökonomische Nachholbedarf des Iran ist enorm - ob bei Maschinen, Autos oder im Gesundheitssektor. Das am Samstag erteilte grüne Licht der Atomenergiebehörde IAEA in Wien öffnet einen Markt mit 80 Millionen Menschen. Die Startchancen für Deutschland gelten dabei als gut. Im vergangenen Sommer war Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) als einer der ersten westlichen Politiker zu Besuch in Teheran - begleitet von einer großen Wirtschaftsdelegation.

Sorgen über Einbrüche am Ölmarkt

Die Beziehungen müssten jetzt schnell wiederbelebt werden, betont der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier: "Dann ist für deutsche Unternehmen mittelfristig ein Geschäftsvolumen von fünf Milliarden Euro drin; langfristig sind zehn Milliarden Euro Exportvolumen durchaus realistisch." Erneuern müsse der Iran vor allem seinen Maschinenpark, den Fahrzeugbau, die Baustoff-Industrie, das Wassermanagement, die Abfallwirtschaft, das Energiesystem und die Gesundheitsbranche. "Nach mehr als zehnjähriger Eiszeit fällt nun ein wichtiges Stoppschild." Überschatten könnte dies jedoch ein Trend, der weltweit inzwischen genauso viel Sorgen wie Freude auslöst: der Einbruch der Ölpreise. Was Autofahrer oder Heizölkunden jubeln lässt, verschlimmert die Lage der Förderländer - Teheran ist ein Schwergewicht im Ölkartell Opec. Stürzt der Preis für das "schwarze Gold" weiter ab, so fürchten viele, könnten ein geschröpfter Staatshaushalt und eine schwächere Nachfrage im Iran auch auf die Exporte dorthin durchschlagen. "Die Aufhebung der Sanktionen kommt für den Ölmarkt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt", sagt Commerzbank-Rohstoffexperte Eugen Weinberg. Sein Kollege Heiko Peters von der Deutschen Bank spricht von einem "extrem schwierigen Umfeld". Und der Chef des Mineralölwirtschaftsverbands, Christian Küchen, mahnte bereits im vorigen August: "Die Entwicklung im Iran bleibt die große Frage."

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