23.01.2014 | Insolvenzen 2013

Wieder weniger Firmenpleiten in Deutschland

Die Zahl der Firmenpleiten ist wieder zurückgegangen.
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 Im Gesamtjahr 2013 wurden 26.733 Unternehmen in Deutschland zahlungsunfähig, das sind 9,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Das meldet die Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH & Co. KG aus Hamburg.

"Wir beobachten bei den Firmeninsolvenzen den vierten Rückgang in Folge", kommentiert Bürgel Geschäftsführer Dr. Norbert Sellin die aktuellen Zahlen. Da das Wirtschaftswachstum in Deutschland im Jahr 2013 0,4 Prozent betrug und im laufenden Jahr laut Experten auf rund 1,5 bis 1,7 Prozent steigen soll, rechnet Bürgel auch im aktuellen Berichtsjahr mit einem Rückgang auf 26.200 Insolvenzen. Bei der Jahresprognose ergäben sich jedoch Risiken: So ist die Konjunktur in einigen Mitgliedsländern des Euroraumes weiterhin mit Unsicherheiten behaftet. Sofern sich hier andere Entwicklungen ergeben, müsste entsprechend auch die Insolvenzprognose für 2014 angepasst werden.

Risiko SEPA-Umstellung

Im Jahr 2014 drohen in Deutschland zudem Firmeninsolvenzen durch die Umstellung auf das Zahlungssystem SEPA. Vielen Firmen sei nicht bewusst, dass sie kein Geld mehr per Lastschrift mit dem alten, bisher genutzten Verfahren einziehen können, wenn sie nicht die Umstellung vorbereiten. "Es kann zu Beeinträchtigungen innerhalb der Liquiditätsversorgung bei den Unternehmen kommen, wodurch im schlimmsten Fall sogar eine Insolvenz droht", so der Bürgel Geschäftsführer. Auch durch diesen Aspekt kann die Zahl der Firmeninsolvenzen 2014 erhöht werden.

Arbeitsmarkt und Binnennachfrage robust

Die Ursachen für die aktuelle Entwicklung bei den Fallzahlen sieht Dr. Sellin im stabilen und positiven konjunkturellen Umfeld mit einem Wirtschaftswachstum von 0,4 Prozent, das vor allem aus der starken und robusten Binnennachfrage resultiert. Diese wirkt sich positiv auf die Beschäftigungsquote und die Lohnzuwächse aus. Der Arbeitsmarkt zeigte sich das ganze Jahr über in guter Verfassung. "Die Unternehmen profitieren von der höheren Binnennachfrage seitens der privaten Konsumenten", so Dr. Sellin. Denn die Exporte stiegen 2013 nur um 0,6 Prozent, nach einem Plus von 3,2 Prozent in 2012. Die schlechte Konjunktur in der Euro-Zone und die Abkühlung auf wichtigen Absatzmärkten wie China belasteten das Geschäft der Exporteure. Aber auch die gute Zahlungsmoral der Unternehmen verhinderte weitere Insolvenzen. Weniger Zahlungsausfälle schonen die Liquidität von Lieferanten und Kreditgebern, so dass 2013 weniger Dominoeffekte gemessen wurden, bei denen zahlungsunfähige Unternehmen auch bei anderen Firmen für Liquiditätsengpässe sorgen und im Extremfall diese mit in die Insolvenz treiben. Zum Jahresende 2013 kamen 16,1 Prozent der Unternehmen in Deutschland ihren Zahlungsverpflichtungen verspätet oder gar nicht nach.

Die meisten Insolvenzen in NRW

Beim Ländervergleich gehen sowohl bei den absoluten, als auch bei den relativen Werten ("Insolvenzquote") die meisten Firmeninsolvenzen auf das Konto von Nordrhein-Westfalen - mit 9.256 zahlungsunfähigen Unternehmen absolut beziehungsweise 123 Fällen je 10.000 Unternehmen. Es folgen Sachsen-Anhalt (89 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen), Bremen (86) und Berlin (81). Der Bundesdurchschnitt liegt bei 74 Insolvenzen je 10.000 Firmen. Am wenigsten Unternehmensinsolvenzen melden indes Baden-Württemberg - hier mussten nur 42 Firmen je 10.000 Insolvenz anmelden -, Bayern (48) und Mecklenburg-Vorpommern (49).

Kleingewerbe mit den meisten Pleiten

Fast 40 Prozent (10.511 Fälle) aller Firmeninsolvenzen in Deutschland gehen auf das Konto des Kleingewerbes. Bei den GmbHs kam es zu 9.997 Insolvenzfällen (Anteil an der Insolvenzstatistik: 37,4 Prozent). Den mittlerweile drittstärksten Anteil von 6,7 Prozent am Firmeninsolvenzgeschehen in Deutschland macht die Rechtsform der Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) aus. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Insolvenzfälle bei dieser Rechtsform um 16,5 Prozent.  Die Hauptursachen für Unternehmenspleiten bleiben nach wie vor das Ausbleiben neuer Aufträge oder deren Stornierung oder Verschiebung. Zweitens sorgen Anschlussinsolvenzen dafür, dass zahlungsunfähige Firmen weitere Marktteilnehmer in den Insolvenzstrudel reißen.

!5 Prozent Insolvenzen durch Domino-Effekte

"Selbst gesunde Unternehmen können in eine wirtschaftliche Schieflage geraten, denn immer noch sind rund 15 Prozent der Firmeninsolvenzen von Dominoeffekten betroffen", erläutert Dr. Sellin. Drittens sind Managementfehler für ein erhöhtes Insolvenzrisiko verantwortlich. "Eine falsche Markteinschätzung oder eine fehlende Wettbewerbsfähigkeit können schnell zum Scheitern führen", resümiert der Bürgel Geschäftsführer. Hinzu kommen Kriterien wie eine fehlende Unternehmensplanung, kein Controlling oder ein unzureichendes oder fehlendes Debitorenmanagement.

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