25.03.2014 | Zuwanderung

Innenminister will Missbrauch von Sozialleistungen eingrenzen

Minister will gegen Anwerbung billiger Arbeitskräfte vorgehen.
Bild: Rainer Sturm ⁄

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) will den Missbrauch von Sozialleistungen durch Zuwanderer begrenzen und prangert dabei auch die Anwerbung günstiger Arbeitskräfte an. Er plane, besonders gegen "missbräuchliche Anwerbung von billigen Arbeitskräften aus bestimmten EU-Ländern" vorzugehen, sagte er.

"Wir müssen uns auch genau die Leute und Strukturen anschauen, die aus eigenen, niederen Interessen Zuwanderer hierher holen und sie ausbeuten." Es dürfe nicht sein, dass Menschen, die kein Wort Deutsch sprächen, mit perfekt ausgefüllten Anträgen auf dem Amt erschienen und Kindergeld oder gar einen Gewerbeschein beantragten. Grundsätzlich sieht der Minister das Problem auf sechs bis sieben Städte in Deutschland begrenzt. Es sei jedoch "gewichtig und wachsend". Die EU-Freizügigkeit soll im Kampf gegen den Missbrauch nicht infrage gestellt werden. De Maizière und Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) wollen in der nächsten Woche einen Plan zur Bekämpfung des Sozialmissbrauchs durch EU-Zuwanderer vorstellen.

Ausschuss diskutiert Maßnahmen

Seit dem 1. Januar gilt für Bulgaren und Rumänen die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU. Das heißt, sie können auch in Deutschland unbeschränkt Arbeit suchen. Die CSU warnte zu Beginn des Jahres davor, dass gering qualifizierte Migranten in die Bundesrepublik kommen, die kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten, aber Sozialleistungen in Anspruch nehmen wollten. Union und SPD setzten einen Staatssekretärsausschuss ein, der Schritte gegen möglichen Missbrauch von Sozialleistungen durch Bürger anderer EU-Staaten prüfen sollte. Ein Zwischenbericht des Ausschusses soll am Mittwoch vom Kabinett verabschiedet werden.

Aufenthaltsrecht zeitlich befristen

Der Ausschuss empfiehlt, das Aufenthaltsrecht von EU-Bürgern zur Arbeitssuche zeitlich zu befristen. Ermöglicht werden könnten befristete Wiedereinreiseverbote nach Deutschland. Unter Strafe gestellt werden solle, Aufenthaltsgenehmigungen durch falsche oder unvollständige Angaben zu besorgen. Kindergeld-Zahlungen wären an die Angabe der Steueridentifikationsnummer zu knüpfen. Laut "Focus" und "Spiegel" schlagen die Staatssekretäre vor, betroffene Kommunen mit mehr als 200 Millionen Euro zu unterstützen. Der innenpolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, kritisiert die Vorschläge als Rechtsbrüche mit Ansage. In einem freien und demokratischen Europa lasse sich weder das Aufenthaltsrecht von EU-Bürgern zur Arbeitssuche befristen, noch ließen sich Wiedereinreiseverbote aussprechen. Es brauche vielmehr konkrete finanzielle Hilfen für besonders geforderte Kommunen.

Auffällig viel Geld für Kinder im Ausland

Dem Bericht zufolge beziehen manche EU-Einwanderer mehr Kindergeld als ihnen zusteht, schreibt die "Bild"-Zeitung. Sie meldeten ihren Nachwuchs mehrfach an oder erfänden Kinder. "Das Kindergeld ist häufig die einzige erkennbare Einnahmequelle der Familien", heißt es dem Blatt zufolge. Auffällig sei die hohe Zahl an Kindern von EU-Bürgern, die Kindergeld empfangen, ohne in Deutschland zu leben: Bei polnischen Kindern seien es 29 Prozent; bei Rumänen sei es jedes zehnte Kind, bei Ungarn jedes fünfte.

>> Lesen Sie auch: IW-Direktor beklagt "Zuwanderungsverhinderungsrecht"

Schlagworte zum Thema:  Zuwanderung, Aufenthaltserlaubnis, Freizügigkeit, Sozialleistungen

Aktuell

Meistgelesen