24.10.2012 | Industriekern

Erfolgsrezept made in Germany

Die deutsche Industrie erbringt eine stabile Wirtschschaftsleistung.
Bild: Michael Bamberger

Ein starker Industriekern ist der Stabilisator der gesamten Wirtschaft. Das deutsche Erfolgsrezept hat sich auch in Krisenzeiten bewährt, so das Ergebnis einer Vergleichsstudie.

Eigentlich sieht es derzeit nicht rosig aus für die deutsche Industrie. Auto- und Maschinenbauer beklagen eine stark sinkende Nachfrage. "Aber das ist eben Konjunktur", sagt Michael Hüther, der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Und Konjunktur ist nicht Struktur. Hüther stellte eine Studie seines Hauses vor, die zeigt: Die traditionell starke deutsche Industrie hat ihre Position in den vergangenen Jahren noch verbessert. Und sie stabilisiert die gesamte Wirtschaft.

Stabile Wirtschaftsleistung 

Seit 1995 blieb der Anteil der Industrie an der gesamten Wirtschaftsleistung in etwa konstant bei 22 bis 23 Prozent - im Krisenjahr 2009 sackte er einmal auf 19,5 Prozent ab. In anderen große Wirtschaftsnationen wie den USA, Großbritannien, Frankreich und Japan verlor das verarbeitende Gewerbe kontinuierlich an Terrain. In Frankreich und Großbritannien trägt die Industrie nur noch zehn Prozent zur Wertschöpfung bei. Das hat die Länder in ihrer Entwicklung gebremst. Im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums untersuchte das IW genauer, wie gut oder schlecht die Rahmenbedingungen und Standortfaktoren für Industrieunternehmen in Deutschland im internationalen Vergleich sind. Dazu analysierte es für den Zeitraum 1995 bis 2010 Daten aus 45 Staaten - den EU- und OECD-Ländern sowie Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. 58 Indikatoren wurden einbezogen, etwa Infrastruktur, Marktgröße, Fachkräfte oder Arbeitsmarkt. Daraus errechneten die Forscher einen Index der industriellen Standortqualität.

Wertschöpfungskette als Teil des Erfolgrezepts 

Dabei landete Deutschlands auf dem fünften Rang und hat sich damit seit 1995 um neun Plätze verbessert. Ganz oben stehen unverändert die USA, die von der Marktgröße, den Kostenfaktoren und geringer Bürokratie profitieren, wie Hüther berichtet. Auf den Plätzen zwei bis vier folgen Schweden, Dänemark und die Schweiz. Deutschland verdankt laut Studie seine Attraktivität für die Industrie unter anderem dem großen Wettbewerb auf den Gütermärkten, den guten Verkehrsverbindungen, dem (noch) relativ guten Angebot an Fachkräften und einer Wertschöpfungskette von der Grundstoffherstellung bis zu Verkauf und Service. Die Länge dieser Kette ist wohl ein Teil des deutschen Erfolgsrezeptes. Eine solche Verbindung von Herstellung, Beratung und Produktbegleitung gebe es eben in Frankreich oder Großbritannien nicht, sagt Hüther. "Es können nicht alle das gleiche Entwicklungsmuster haben", aber das Beispiel Deutschland zeige schon, in welche Richtung es gehen müsse.

Immer noch "stark und wachsend" 

Das IW betrachtete gesondert die Dynamik der 45 Staaten. Da schaffte es die Bundesrepublik zwar nur auf Platz 18, aber das reichte noch, um in die Ländergruppe "Strong and Growing" (stark und wachsend) einsortiert zu werden. In diesem erlesenen Kreis finden sich nur noch Australien, Österreich, Belgien, Südkorea, Luxemburg und Norwegen. Die Standort-Tabellenführer USA, Schweden, Dänemark und Schweiz gelten laut Studie dagegen als "stark und schrumpfend".

 

Schlagworte zum Thema:  Industrie, Wertschöpfung, Infrastruktur, Wirtschaftsleistung, Standortfaktoren, Studie

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