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Deutsche Firmen trotzen China-Turbulenzen

Das Baugewerbe befeuert den Ifo-Index.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die deutschen Unternehmen lassen sich von den jüngsten Turbulenzen um China offenbar nicht die Stimmung vermiesen. Der viel beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex ist jedenfalls überraschend gestiegen. Der Wert legte im August zum Vormonat um 0,3 Punkte auf 108,3 Zähler zu, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte.

Der zweite Anstieg in Folge kam überraschend. Bankvolkswirte hatten einen Rückgang auf 107,6 Punkte erwartet. "Die deutsche Wirtschaft bleibt ein Fels in der weltwirtschaftlichen Brandung", sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Der Zuwachs beim Ifo-Index ist auf eine überraschend positive Einschätzung der aktuellen Lage zurückzuführen. Die Erwartungen mit Blick auf die Zukunft haben sich dagegen im Vergleich zum Vormonat etwas eingetrübt. Die verbesserte Stimmung unter deutschen Unternehmen überraschte viele Experten, nachdem sie von einer Verschlechterung aufgrund der jüngsten Turbulenzen an den Aktienmärkten ausgegangen waren. Auslöser dafür waren Sorgen um die chinesische Wirtschaft. Experten rätseln nun, ob die Turbulenzen die Unternehmen schlicht unbeeindruckt lassen oder ob sich die China-Sorgen einfach noch nicht in den jüngsten Zahlen niederschlagen.

Exporte bereits an verlangsamtes Wachstum angepasst

Es gebe zwei mögliche Erklärungen, dass die Zahlen trotz des Sinkflugs der Börsen so gut ausgefallen seien, sagt Carsten Brzeski, Chefökonom bei der Bank Ing-Diba. "Entweder kamen die Turbulenzen an den Aktienmärkten einfach zu spät, um sich noch in den Zahlen niederzuschlagen oder die deutschen Unternehmer sind eiskalte Realisten, die sich auf die bloßen Fakten verlassen." Für Brzeski ist die zweite Erklärung wahrscheinlicher, denn der nüchterne Blick auf die Fakten gebe tatsächlich keinen Anlass zur Panik. Erstens entwickle sich die deutsche Wirtschaft robust. Zweitens habe sich das Wachstum in China nur verlangsamt. Eine Rezession sei dagegen nicht in Sicht. Drittens hätten sich die deutschen Exporte bereits an das verlangsamte Wachstum angepasst und viertens habe die Abwertung des Yuan keinen massiven Einfluss auf die deutschen Exporte, die sich in der Vergangenheit schon bei wesentlich ungünstigeren Wechselkursen behauptet hätten. Zudem wirkten die weiter stark gesunkenen Ölpreise, die mit den Sorgen um China einhergehen, positiv auf die deutsche Wirtschaft.

US-Wirtschaft stützt deutsche Wirtschaft

Thomas Gitzel, Chefökonom bei der VP Bankengruppe sieht die deutsche Wirtschaft ebenfalls im wesentlichen gefeit gegen die Turbulenzen um China. Allerdings werde die Wachstumsabkühlung im Reich der Mitte bei den deutschen Exporten noch Spuren hinterlassen. "Aber die wirtschaftliche Erholung in der Eurozone und die solide US-Wirtschaft können die Verluste zumindest teilweise kompensieren", sagte Gitzel. Dennoch: Die Weltwirtschaft sei angeschlagen. Ein deutsches Wachstumswunder werde es in naher Zukunft daher nicht geben. Die positive Stimmung in Deutschland geht laut den Ifo-Daten vor allem auf den Einzelhandel und das Baugewerbe zurück. Im Einzelhandel erreichte der Index den höchsten Stand seit Juni 2011, im Baugewerbe den höchsten seit März 2014. In beiden Bereichen schätzten die Unternehmen sowohl die aktuelle als auch die künftige Lage besser ein als zuletzt. Im verarbeitenden Gewerbe dagegen trübte sich die Stimmung aufgrund negativer Zukunftserwartungen leicht ein. Weniger Unternehmen als zuletzt planten, die Produktion in den kommenden Monaten anzuheben. Im Großhandel trübte sich die Stimmung dagegen aufgrund einer verschlechterten Einschätzung der aktuellen Lage ein.

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