| Handwerksmesse 2013

Handwerker wollen von der Energiewende profitieren

Vor allem von der energetischen Sanierung verspricht sich Deutschlands Handwerk etwas.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die Energiewende könnte Deutschlands Handwerkern kräftig Schub geben. Doch vielen Betrieben ist bisher unklar, wo die Reise hingeht. Dabei könnte der Wandel auch tausende neue Jobs schaffen.

Eigentlich könnten Deutschlands Handwerker zufrieden sein: Gute Umsatzzahlen, volle Auftragsbücher und eine stabile Beschäftigungsentwicklung stimmen die Betriebe für das laufende Jahr optimistisch. Doch bei einem der wichtigsten Zukunftsthemen für das Handwerk, der Energiewende, geht es nur schleppend voran, beklagen Spitzenvertreter. Zum Auftakt der Internationalen Handwerksmesse in München (bis 12. März) ruft das Handwerk deshalb nach einer grundlegenden Neuausrichtung, um Chancen des Wandels nutzen zu können und nicht zum Verlierer zu werden.

Einen großen Boom gibt es nicht 

Ob Gebäudesanierer, Heizungsbauer oder Fensterhersteller - viele Gewerke können mit ihren Produkten und Dienstleistungen allerdings schon jetzt vom Energiesparwillen der Hausbauer oder vom Trend zu umweltfreundlichen Technologien profitieren - auch dank staatlicher Förderung. "Es ist für jeden genügend Arbeit da", sagt beispielsweise Tobias Wilhelm, dessen Familie eine Fassadenbaufirma mit 30 Beschäftigten hat. Einen großen Boom gebe es aber wiederum auch nicht, sagt Wilhelm. Den hatte sich das Handwerk eigentlich von der steuerlichen Absetzbarkeit energetischer Haussanierungen versprochen. Doch ein entsprechender Vorstoß scheiterte im Dezember im Bundesrat.

Mehr Geld aus Förderprogrammen

Stattdessen soll es mehr Geld aus Förderprogrammen der bundeseigenen KfW-Bank geben. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks will sich damit aber nicht zufrieden geben und bei dem Thema am Ball bleiben. Rückendeckung dafür bekommen die Handwerker beispielsweise von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU): "Wer die energetische Gebäudesanierung voranbringen will, muss dafür kämpfen, dass der Steuerfreibetrag kommt", sagte er bei der Eröffnungsfeier zur größten deutschen Leistungsschau des Handwerks.

Subventionspraxis führt zur Schieflage 

Vor allem aber pochen die Handwerker auf verlässlichere Rahmenbedingungen für Investitionen. "Es muss ein Weg vorgegeben werden, bei dem klar erkennbar ist, dass er nicht zu immer neuen Subventionen und staatlichen Eingriffen führt", sagt Heinrich Traublinger, Präsident des Bayerischen Handwerkstages. Die Betriebe bräuchten verlässliche Rahmenbedingungen. Bisher vermisse man ein stimmiges Gesamtbild der Energiewende. Als Leidtragende sehen sich beispielsweise die deutschen Solarunternehmen. Jahrelang profitierte die Branche von hohen staatlichen Förderungen, doch nach den Kürzungen ist jetzt Wundenlecken angesagt. Gerade die staatliche Förderpraxis habe zur aktuellen Schieflage vieler Unternehmen beigetragen, beklagt Norbert Vogt, Geschäftsführer des Solarmodul-Herstellers no-vo aus dem sächsischen Laubusch. Subventionen sollten deshalb lieber komplett gestrichen werden, findet Vogt.

38.000 neue Arbeitplätze 

Für den mittlerweile händeringend gesuchten Nachwuchs dürfte die Energiewende derweil in den kommenden Jahren attraktive Jobchancen bieten, erwartet das Handwerk. Rund 38.000 grüne Arbeitsplätze könnten bis 2020 alleine im Bereich der Energieeffizienz in den verschiedenen Gewerken entstehen, ergab eine Studie des Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmen Prognos.

Schlagworte zum Thema:  Handwerk, Energiewende, Fachkräftemangel, KfW-Förderprogramm, Förderprogramm

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