| Mehr Risiken als Chancen

Härtere Zeiten für Deutschlands Konzerne

Auch Daimler musste im ersten Quartal konjunkturbedingte Abstriche machen.
Bild: Daimler AG

Deutschlands Börsenschwergewichte bekommen den stärkeren Euro zu spüren. Der Anstieg der Gemeinschaftswährung hinterlässt in den Quartalsbilanzen der Dax-Konzerne erste Spuren. Und es ist nicht das einzige Risiko.

Ernüchterung in Deutschlands Top-Konzernen: Die Zwischenbilanz für das erste Quartal fällt durchwachsen aus - auch wenn einige Dax-Unternehmen kräftig zugelegt haben. Nach Berechnungen des Beratungsunternehmens EY schnitten die 16 Börsenschwergewichte, die bislang Zahlen für den Zeitraum Januar bis März vorgelegt haben, zusammengerechnet bei Umsatz und Gewinn schlechter ab als im Jahr zuvor. Vieles spricht aus Sicht von EY-Partner Thomas Harms dafür, "dass die deutschen Top-Unternehmen insgesamt in diesem Jahr weder beim Umsatz noch beim Gewinn große Sprünge machen werden".

Negative Währungseffekte im ersten Quartal

Ein wichtiger Grund: Der Euro fällt als Umsatzturbo derzeit aus. Im vergangenen Jahr bescherte die Abwertung der Gemeinschaftswährung den Unternehmen noch kräftige Wechselkursgewinne, die Nordamerika-Umsätze der Dax-Konzerne stiegen EY zufolge dadurch um fast ein Viertel. Doch inzwischen legt der Euro gegenüber Dollar und Co. wieder zu. Einige Unternehmen verzeichneten Harms zufolge bereits im ersten Quartal negative Währungseffekte. "Schon aus diesem Grund ist mit einer schwächeren Umsatzentwicklung als im Vorjahr zu rechnen", sagt Harms voraus. Von Januar bis März schrumpfte der Umsatz der Dax-Konzerne EY zufolge zusammengerechnet um 4 Prozent auf insgesamt 153,2 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Ebit) sackte um 9 Prozent auf 15,3 Milliarden Euro. Insgesamt verbesserten 8 Dax-Konzerne das operative Ergebnis, sieben verzeichneten dagegen einen Rückgang. Besonders deutlich fiel dieser EY zufolge bei der Deutschen Bank, der Commerzbank sowie beim Autokonzern Daimler aus.

Möglicher "Brexit" sorgt für Unsicherheit

Dabei war das Umfeld zu Jahresbeginn günstig. Die Wirtschaft im Euro-Raum wuchs mit 0,6 Prozent unerwartet robust. Auch die Konjunktur in Deutschland dürfte Volkswirten zufolge ihr Tempo im ersten Quartal erhöht haben - vor allem dank der Konsumlaune der Verbraucher. Deren Stimmung ist angesichts des Booms auf dem Arbeitsmarkt und niedriger Energiepreise derzeit so gut wie zuletzt im vergangenen Spätsommer. Dennoch sehen Experten keinen Anlass zur Euphorie. "Vor Jubelstürmen sei gewarnt", sagt Christoph Weil von der Commerzbank. Die guten Zahlen seien unter anderem auf den einmaligen Effekt des milden Winters zurückzuführen, argumentiert er mit Blick auf den Euro-Raum. Vor allem im Bausektor wirkt sich ein mildes Wetter positiv aus. Dämpfer für die exportorientierte deutsche Wirtschaft drohen vor allem aus dem Ausland. China - die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt - schwächelt. Brasilien und Russland stecken in der Krise. Ein möglicher Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union "Brexit" sorgt für Unsicherheit. «Der globale Wachstumspfad kommt zwar nicht zum Erliegen, jedoch wird er empfindlich abgebremst», sagte jüngst der Chef des Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner.

Ertragskraft der Konzerne nach wie vor gut

Die deutsche Wirtschaft bleibt auf Wachstumspfad, doch wird dieser etwas holpriger als zunächst erwartet, sagen Ökonomen voraus. "Die deutsche Industrie spürt dieses Mehr von Konflikten, Risiken und Wachstumsschwächen heftiger als andere Wirtschaften", meint BDI-Präsident Ulrich Grillo. "Von einer Krise kann aber keine Rede sein", betont EY-Partner Thomas Harms. Die Ertragskraft deutscher Top-Konzerne sei nach wie vor gut. Nicht unterschätzt werden sollten allerdings die politischen Risiken. "Europa driftet politisch auseinander, und bei einem "Brexit" könnten die politischen Fliehkräfte in Europa noch einmal erheblich zunehmen." Unterm Strich seien derzeit die politischen wie wirtschaftlichen Risiken deutlich größer als die Chancen: "Ein Rekordjahr wird 2016 für die Top-Konzerne daher wohl nicht."

>> Das könnte Sie auch interessieren:

 

Schlagworte zum Thema:  DAX-Konzerne, Konjunktur, Konzern

Aktuell

Meistgelesen