22.02.2013 | Großes Dunkelfeld

Gefahr durch Cyberkriminalität im Netz wächst

Die Cyberkriminalität ist auf dem Vormarsch.
Bild: elektraVision AG

Im Internet räumen Kriminelle Konten leer, erpressen Firmen und legen Netzwerke lahm: Die Entwicklung macht Ermittlern große Sorgen. Innenminister sehen Defizite beim Kampf gegen die Umtriebe im Netz.

Kriminelle im Internet richten nach Einschätzung des Bundeskriminalamts (BKA) erheblich größeren Schaden an als bislang bekannt. "Da ist das Dunkelfeld noch nicht mal erahnbar"", sagte BKA-Vizepräsident Jürgen Maurer beim Europäischen Polizeikongress in Berlin. "Das Problem ist deutlich größer, als wir imstande sind, es darzulegen." Die Innenminister mehrerer Länder räumten ein, es gebe noch große Defizite beim Kampf gegen Kriminelle im Netz.

290 Milliarden Euro Schaden weltweit 

Laut BKA wurden 2011 rund 60.000 Fälle von Cyber-Kriminalität in Deutschland gezählt. Fünf Jahre zuvor waren es noch halb so viele gewesen. Maurer betonte, diese Zahlen ließen keinen Schluss auf die tatsächliche Gefahren zu. "Das ist das Hellfeld. Es entspricht nicht im Ansatz der Problemlage, mit der wir es zu tun haben." Nach Angaben der EU werden weltweit jeden Tag eine Million Menschen Opfer von Internetkriminalität. Der Schaden beläuft sich demnach pro Jahr rund um den Globus auf etwa 290 Milliarden Euro. Die Delikte reichen von gehackten Banküberweisungen über Datenklau und digitale Erpressung bis zur Verbreitung von Kinderpornos.

Defizite bei der Justiz 

Maurer kritisierte, es fehle eine übergeordnete Koordinierung und Strategie für den Kampf gegen Internetkriminalität. Die Polizei habe sich bereits mit spezialisierten Dienststellen und zielgerichteter Ausbildung auf die Entwicklung eingestellt. Bei der Justiz sei das noch nicht ausreichend passiert. Deutschland brauche außerdem dringend eine Regelung zur Vorratsdatenspeicherung. Der nordrhein-westfälische Innenminister, Ralf Jäger (SPD), beklagte, es fehlten klare rechtliche Grundlagen, um im Netz zu ermitteln. Nötig seien auch mehr Mittel und Personal. Der Staat müsse Geld in die Hand nehmen, um spezialisierte Polizisten zu bezahlen.

Länder müssen enger zusammenarbeiten 

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) beklagte, die Sicherheitsbehörden seien nicht wirklich auf Augenhöhe mit den Kriminellen im Internet. Bislang könnten sie "gerade mal ein Stück weit gegenhalten". Die Länder müssten enger zusammenarbeiten, um schlagkräftiger zu sein. Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ressortchef, Lorenz Caffier (CDU), plädierte für mehr Kooperation der Behörden über die Landesgrenzen hinweg. "Sonst werden wir einfach abgehängt." Die Länder steckten beim Kampf gegen Internetkriminalität noch in den Anfängen. Bei dem Polizeikongress berieten mehr als 1.000 Sicherheitsexperten aus 60 Nationen über kriminelle Umtriebe im Netz.

Schlagworte zum Thema:  Computerkriminalität, Cyberkriminalität

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