05.09.2011 | Wirtschaft & Märkte

Führungskompetenz ist keine Geschlechterfrage

Führen Frauen anders? Glaubt man einer aktuellen Studie des Personaldiagnostik-Unternehmens Profilingvalues, lautet die Antwort "Nein". Laut ihrer Werte-Analyse gibt es keinen typisch weiblichen Führungsstil. Denn Führungskompetenz sei letztendlich keine Frage des Geschlechts, sondern vielmehr der Persönlichkeit, ist Management-Coach Stefanie Weingarts überzeugt.

Über einen Zeitraum von zwei Jahren analysierte die Studie "Herrschende Werte und Einstellungen am Arbeitsplatz" des Personaldiagnostik-Unternehmens Profiling Values das individuelle Wertesystem von über 1.800 Führungskräften in Deutschland, Österreich und der Schweiz und zog dabei auch geschlechterspezifische Vergleiche. Ihr Fazit: Es gibt keinen typisch weiblichen Führungsstil. Stefanie Weingarts, Managing Partner des Training- und Coaching-Spezialisten KMS Mindshift, arbeitet seit längerem mit Profiling Values zusammen. In ihren Gesprächen mit Führungskräften spielen Fragestellungen zur Managementkompetenz von Frauen und Männern ebenfalls eine wichtige Rolle. Mit Blick auf die aktuelle Studie und aus ihrer persönlichen Coaching-Erfahrung heraus hat sie  drei eigene Thesen aufgestellt:

 

These 1: Führungskompetenz ist ein Thema der Persönlichkeit, nicht des Geschlechts

Die Studie betont, dass es keinen typisch weiblichen Führungsstil gibt. Zu ergänzen ist, dass ebenso wenig ein männlicher Führungsstil existiert. Denn Führung ist kein geschlechterspezifisches Thema, sondern ein Thema der individuellen Werte und Eigenschaften einer Person, also ihrer Persönlichkeit. Dabei gilt es, die bekannten drei Wertedimensionen zu beachten: Während sich der intrinsische Bereich auf Empathie und die eigenen Bedürfnisse bezieht, deckt der extrinsische Bereich praktisches Denken und Erfolgsorientierung ab. Abstraktes Denken und Zielorientierung ist im systemischen Bereich gebündelt.

 

These 2:  Frauen haben aus den Fehlern der Männer gelernt

Frauen in Führungspositionen wollen nicht die besseren Männer sein. Sie haben in den vergangenen Jahrzehnten gutes und schlechtes Management vor allem von Männern kennengelernt und daraus ihre eigenen Schlüsse gezogen. Dieses Wissen hilft ihnen dabei, ihre Führungskompetenz auszubauen. Bildlich gesprochen: Männer haben den Elchtest hier und da nicht bestanden. Frauen versuchen nun, aus den Konstruktionsfehlern zu lernen und die besseren Teams zu bauen.

 

These 3: Bei der Beurteilung von Führungskräften brauchen wir einen gesellschaftlichen Bewusstseinswandel

Auf Grundlage der Studienergebnisse empfiehlt Dr. Ulrich Vogel, Eigentümer und Geschäftsführer von Profilingvalues, „die Einführung einer Frauenquote auf Zeit offen und ehrlich zu diskutieren“. Ergänzend zu dem konkreten pragmatischen Ansatz der Frauenquote im Management muss auch ein allgemeiner gesellschaftlicher Bewusstseinswandel vorangetrieben werden: Nicht die Frage, ob Chef oder Chefin, sei von Belang, sondern die nach der Qualität der Führungskompetenz.

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