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Experten: Kein Ansturm aus Osteuropa zu erwarten

Die Frage, ob mit der am 1. Mai beginnenden vollen Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU ein Ansturm von Einwanderern nach Deutschland zu erwarten ist, ist derzeit viel diskutiert. Experten geben sich gelassen. Nach der Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes am 1. Mai wird es nach Einschätzung von Experten keinen Massenansturm von Arbeitskräften aus Polen und anderen osteuropäischen Ländern nach Deutschland geben. Auch sei nicht damit zu rechnen, dass hoch qualifizierte Einwanderer Schlange stehen.

"Die Besten sind längst in anderen Ländern"

In Berlin sagte der ehemalige NRW-Integrationsminister Armin Laschet (CDU): "Wir tun so, als ob Millionen vor der Tür stehen und wir jetzt aussuchen könnten." Tatsächlich aber tobe um die besten Köpfe längst ein weltweiter harter Wettbewerb.

Deutschland sei mit seiner Einwanderungsgesetzgebung darauf nicht vorbereitet. Laschet will dazu im Rahmen einer überparteilichen Arbeitsgruppe bis Oktober Vorschläge für eine Reform vorlegen.

Der Ko-Vorsitzende der Kommission, der ehemalige Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Peter Struck, erwartet von der am 1. Mai beginnenden vollen Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU, dass "eher gering qualifizierte Menschen" nach Deutschland kommen. Laschet ergänzte, "die Besten" seien längst in anderen Ländern.

Er halte den "Status quo" für das wahrscheinlichste Szenario, sagte Pawel Kaczmarczyk vom Migrationsforschungszentrum der Warschauer Universität der Nachrichtenagentur dpa am Rande einer Fachkonferenz in Warschau.

Zimmermann: "Nur moderate Auswirkungen"

Der Arbeitsmarktforscher Klaus Zimmermann, wies ebenfalls Befürchtungen über eine Einreisewelle nach Deutschland zurück. "Nichts spricht für ein solches Szenario, die Auswirkungen werden eher moderat bleiben", betonte der Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn. Er rechnet anfangs maximal mit 150.000 Zuwanderern im Jahr aus Osteuropa.

Kaczmarczy: "Maximal 600.000 Migranten"

Kaczmarczyk zufolge wird die Zahl polnischer Arbeitnehmer in Deutschland auf dem derzeitigen Niveau zwischen 350.000 und 400.000 bleiben. Es handele sich dabei vor allem um gering qualifizierte, ältere Menschen, die aus traditionellen Auswanderungsgebieten in Westpolen und Oberschlesien stammten, meinte der Berater des polnischen Regierungschefs Donald Tusk. Er rechnet mit maximal 600.000 Migranten.

Spitzenkräfte bevorzugen Großbritannien und USA

Er erwarte nach dem 1. Mai keine Revolution, sagte der Chef der polnischen Dienstleistungsbetriebe in Deutschland, Julian Korman. Arbeitnehmer, die bisher illegal gearbeitet hätten, würden nun ihren Status legalisieren. Polnische Spitzenkräfte werden den Studien der Wirtschaftswissenschaftler zufolge auch künftig Großbritannien und die USA vorziehen.

Die Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes dürften vor allem die schon hier lebenden Migranten zu spüren bekommen. «Sie sind die Verlierer», sagte der Migrationsexperte Herbert Brücker der Wochenzeitung «die Zeit». Die neuen Zuwanderer würden vor allem ihnen am Arbeitsmarkt Konkurrenz machen, sagte der Bamberger Wissenschaftler. Einwanderer und Einheimische stünden selten im Wettbewerb.

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