16.04.2012 | Wirtschaft & Märkte

Experte: Angeschlagene Solarbranche hat Zukunft

Die angeschlagene Solarbranche wird nach Einschätzung von Experten auch nach der deutlichen Kürzung ihrer Fördermittel einen wichtigen Anteil zur Energiewende liefern. Der ZEW-Energie-Experte Tim Mennel sieht aber deutlich größeres Potenzial in der Windenergie.

"Beim Ziel der Bundesregierung, den Anteil der erneuerbaren Energie bis zum Jahr 2020 auf 35 Prozent zu steigern, wird die Windenergie das Rückgrat sein." Für Rückenwind würden vor allem die Offshore-Anlagen sorgen.

 

100.000 Jobs in der Solarwirtschaft

Der Jobzuwachs durch den Ausbau der erneuerbaren Energien wird nach Einschätzung des Umwelt-Ökonomen in Deutschland anhalten. Allerdings könnten keine allzu großen Steigerungsraten erwartet werden. Die Branche sei insgesamt nicht sehr personalintensiv. Bundesweit sind in der Solarbranche laut Bundesverband Solarwirtschaft derzeit rund 100.000 Menschen tätig.

 

Branche legt stark von Subventionen

Der Verantwortliche für den Forschungsschwerpunkt Energie beim Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) begrüßte die vom Bundestag beschlossene Kürzung der Solarförderung. «Die Solarbranche hat sehr stark von den Subventionen gelebt.» Es könne aber nicht im Interesse der Allgemeinheit sein, dass auf diesem Weg vor allem sehr teure Energieträger ausgebaut werden. «Die Kürzung der Förderung ist für die deutschen Anbieter natürlich jetzt eine große Bedrohung», erklärte Mennel. Er rechne aber weiter damit, dass die Branche zulege.

 

70 Euro im Jahr pro Haushalt

Nach der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) soll es je nach Größe der Anlage Kürzungen von 20 bis rund 30 Prozent geben. Damit will die Bundesregierung die Kosten bei der Energiewende im Rahmen halten, da die Förderung von den Verbrauchern über den Strompreis bezahlt wird. Pro Durchschnittshaushalt fallen für die Solarförderung, die für jede Anlage jeweils auf 20 Jahre garantiert gezahlt wird, derzeit rund 70 Euro pro Jahr an.

 

"Schwarzer Tag für die Energiewende"

Die Regelung gilt seit dem 1. April. Die Solarbranche hatte nach der Entscheidung des Bundestages von einem "schwarzen Tag für die Energiewende" gesprochen. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zählte die Branche angesichts der herben Kursverluste und der jüngsten Insolvenzen derweil zur 1. Liga der Kapitalvernichter in Deutschland.

 

Im Süden bereits wettbewerbsfähig

"Die Photovoltaik hat auf jeden Fall eine Zukunft", betonte ZEW-Experte Mennel. «Die Frage ist nur, ob sie in Deutschland liegen muss.» Vor allem billigere Anbieter aus China machten den deutschen Anbietern zu schaffen. In südlichen Regionen wie Italien sei die Solarenergie dagegen bereits wettbewerbsfähig.

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