17.10.2011 | Wirtschaft & Märkte

EU-Richter stärken Rechte von Fluggästen

Die höchsten EU-Richter haben die Rechte von Fluggästen gestärkt. Wird ihr Flug abgesagt, könnten Reisende damit künftig umfangreicher Schadensersatz geltend machen. Ihnen stehe - über die Erstattung ihrer Kosten hinaus - in bestimmten Fällen "auch eine Entschädigung für den immateriellen Schaden" zu, urteilte der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg (Rechtssache C-83/10).

So könnten Fluggäste - etwa für verloren gegangene Urlaubsfreude - bis zu 4.750 Euro verlangen. Dabei bezog sich das Gericht auf das internationale Übereinkommen von Montreal zur Beförderung im Luftverkehr.

Erweiterter Begriff "annulliert"

Darüber hinaus fassten die Richter die Definition für einen annullierten Flug weit. Als abgesagt gilt ein Flug, wenn er nicht startet, urteilten sie. Aber: «Der Begriff umfasst auch den Fall, dass ein Flugzeug gestartet ist, aber anschließend, aus welchen Gründen auch immer, zum Ausgangsflughafen zurückkehren musste, und die Fluggäste auf andere Flüge umgebucht wurden», hieß es.

Im vorliegenden Fall hatten mehrere Familien aus Spanien die Fluggesellschaft Air France vor einem spanischen Handelsgericht verklagt. Ihr Flug sollte 2008 von Paris nach Vigo (Spanien) gehen.

Flugzeug kehrte zurück

Das Flugzeug flog wie geplant ab, kehrte aber kurze Zeit später wegen eines technischen Problems nach Paris zurück. Die Airline brachte eine der Familien nach Porto/Portugal, von dort nahmen sie ein Taxi für 170 Euro nach Hause. Eine andere Familie wartete am Pariser Flughafen, bevor sie umgeleitet wurden.

Immaterielle Schäden inbegriffen

Später verlangten die Familien 650 Euro pro Person als Ersatz für immaterielle Schäden sowie die Erstattung der Mahlzeiten am Flughafen beziehungsweise die Kosten ihrer Taxifahrt und einen zusätzlichen Tag Hundepension für ihren Hund.

Spanische Gericht muss entscheiden

Das spanische Gericht bat daraufhin die Luxemburger Richter um Hilfe bei der Auslegung europäischen Rechts. Es ist nun am spanischen Gericht, über die Klage der Familien zu entscheiden und sich dabei am Spruch der Luxemburger Richter zu orientieren.

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