04.10.2012 | Finanzsystem

EU-Experten wollen Risikogeschäfte von Banken isolieren

Die Banken sollen Risikogeschäfte und normale Bankgeschäfte trennen, meinen EU-Experten.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die EU-Expertengruppe zur Bankenregulierung fordert einem Bericht zufolge die strikte Trennung von riskanten Bankgeschäft ab einer gewissen Größe von Konten oder Krediten normaler Kunden.

Eine mögliche Aufspaltung der Banken in voneinander unabhängige Unternehmen ist dagegen offenbar vom Tisch. Die Einheiten sollten stattdessen rechtlich und organisatorisch getrennt werden, dürften aber weiter unter dem gemeinsamen Dach einer Holding sein, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf den Bericht der von EU-Kommissar Michel Barnier eingesetzten Expertengruppe. Damit solle verhindert werden, dass der Steuerzahler bei einer nächsten Finanzkrise erneut im großen Stil für rein spekulative Geschäfte haften muss.

Argument der Systemrelevanz entfällt 

Die vom finnischen Zentralbankchef Erkki Liikanen geleitete Expertengruppe will Spekulationen mit Wertpapieren, Börsengeschäfte für Kunden sowie Kreditvergaben an Hedgefonds jeweils von den normalen Konten und Firmenkrediten trennen. Damit könnten die Einlagen der Sparer nicht mehr herangezogen werden, um die riskanten Geschäfte zu finanzieren und abzusichern, hieß es. Eine Regierung könnte die gefährlichen Sparten leichter pleitegehen lassen, da das Argument der Systemrelevanz entfalle.

Lobbyisten kämpfen weiter für Universalbanken 

Liikanen verlange eine Trennung aber erst, wenn riskante Geschäfte eine gewisse Größe erreichen. Die Finanzbranche, von den Überlegungen alarmiert, kämpft in Brüssel bereits dafür, dass eine riskante Sparte erst rechtlich separat geführt werden muss, wenn sie zehn Prozent der Bilanzsumme einer Bank erreicht. Generell fordern die Finanzlobbyisten, weiterhin als Universalbanken alle Geschäfte gemeinsam betreiben zu dürfen. Die USA hatten nach dem Börsencrash im Jahr 1929 Banken zerschlagen und dies erst in den 90er Jahren wieder aufgehoben.

Pläne für zentrale Bankaufsicht 

EU-Kommissar Barnier hatte die Gruppe vor einem Jahr eingesetzt, um das Finanzsystem krisenfester zu machen. Wie schnell sich die Pläne verwirklichen lassen, hängt von den Staats- und Regierungschefs ab. Derzeit arbeitet die Kommission mit Hochdruck daran, die Pläne für eine zentrale Bankenaufsicht in der Eurozone umzusetzen. "Das hat derzeit Priorität", hieß es in Brüssel. Erst wenn die Aufsicht etabliert sei, werde an den weiteren Bestandteilen der geplanten Bankenunion - den europaweiten Fonds für die Abwicklung von Banken und zur Sicherung der Spareinlagen - sowie auch an dem Liikanen-Plan gearbeitet.

Schlagworte zum Thema:  Bankenaufsicht, Risiko, Bank, Risikocontrolling

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