| Hanseatische Krankenkasse

Erste Krankenkasse schafft Praxisgebühr bei Zahnarztbesuch ab

Versicherte der Hanseatischen Krankenkasse müssen künftig beim Zahnarzt keine Praxisgebühr mehr zahlen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Versicherte der Hanseatischen Krankenkasse (HEK) müssen künftig bei Zahnarztbesuchen keine Praxisgebühr mehr bezahlen.

Der HEK-Verwaltungsrat forderte in Hamburg nach eigenen Angaben den Gesetzgeber zudem auf, die zehn Euro Praxisgebühr pro Quartal generell abzuschaffen. "Wir gehen dabei voran und machen deutlich, dass wir die Forderung von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) und der Mehrheit der Gesundheitsminister der Länder unterstützen", begründete HEK-Verwaltungsratschef Horst Wittrin die Entscheidung des Gremiums.

Unnötige Bürokratiekosten 

Nach Überzeugung des HEK-Verwaltungsrats hat die Praxisgebühr keinerlei Steuerungsfunktion und verursacht unnötige Bürokratiekosten. "Wer Zahnschmerzen hat, soll zusätzlich nicht auch noch finanziell belastet werden", betonte Wittrin. Die HEK werde ihren Versicherten deshalb die Praxisgebühr rückwirkend zum 1. Januar 2012 im Rahmen ihres Bonusprogrammes erstatten, sollte das Bundesversicherungsamt dem HEK-Beschluss zustimmen. Nach eigenen Angaben verzichtet die HEK damit pro Jahr auf Einnahmen in Höhe von etwa 2,5 Millionen Euro. Sie betreut bei einem Haushalt von rund 916 Millionen Euro etwa 400.000 Versicherte.

Vorstoß am Länderquorum gescheitert 

Zuletzt war ein Vorstoß des Stadtstaates Hamburg zur Abschaffung der Praxisgebühr gescheitert. Der Plan fand zwar Unterstützung bei zehn weiteren Bundesländern. Das notwendige Quorum wurde aber dennoch nicht erreicht. In der Regierungskoalition im Bund dringt vor allem die FDP auf eine Reform der Gebühr, während die Union sie beibehalten will. Gesundheitsminister Bahr hatte besonders gut dastehende Kassen bereits mehrfach gedrängt, Prämien an ihre Mitglieder zu zahlen. Notfalls will er sie sogar per Gesetz dazu zwingen. Die deutschen Krankenkassen sitzen derzeit auf einer Rekordreserve in Höhe von rund 11,5 Milliarden Euro, Prämien schütten bislang jedoch nur rund zehn überwiegend kleinere Kassen mit rund 700.000 Versicherten aus.

"Vorbildliches Signal" der HEK 

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach von einem vorbildlichen Signal der HEK. "Wenn die Kassen schon freiwillig damit beginnen, die Praxisgebühr zurückzuzahlen, muss die CDU ihre Blockade-Haltung aufgeben und die Sinnlos-Gebühr endlich abschaffen", sagte er. Derzeit sei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei den deutschen Patienten aber offenbar noch weniger großzügig als zu spanischen Banken.

Schlagworte zum Thema:  Krankenkasse, Praxisgebühr

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